🇪🇬 Ägypten: Sisi will Mandat zur Verteidigung Saudi-Arabiens – Parlament tagt Sonntag

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat das Parlament in Kairo am Samstag, 17. Oktober 2026, zu einer Sondersitzung aufgerufen. Die Abgeordneten sollen ihm erlauben, Saudi-Arabien militärisch beizustehen, falls Riad darum bittet – als Reaktion auf die anhaltenden Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf das Königreich. Das Repräsentantenhaus kommt bereits am Sonntag zusammen.
Die Fakten im Überblick
- Wer und wo: Sisi äußerte sich bei einer Abschlussfeier von Kadetten der Militärakademie in Kairo.
- Sondersitzung: Das ägyptische Repräsentantenhaus tagt am Sonntag, 18. Oktober; laut der Zeitung Al-Akhbar ab 13 Uhr Ortszeit (10 Uhr GMT).
- Bedingung: Ein Einsatz käme nur auf Anfrage Saudi-Arabiens in Betracht und bedarf der Zustimmung des Parlaments. Laut AFP bedeutet der Antrag nicht, dass eine Intervention unmittelbar bevorsteht.
- Auslöser: Seit Anfang Oktober greifen die vom Iran unterstützten Huthis Saudi-Arabien nahezu täglich an. AFP zählt mindestens 14 Tote und mehr als 320 Verletzte.
- Flughafen Riad: Bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen der saudischen Hauptstadt in der vergangenen Woche kamen laut AFP 13 Menschen ums Leben; The National berichtet von 17 Toten, über 300 Verletzten und einer vollständigen Schließung des Flughafens.
- Suezkanal: Nach Angaben von Außenminister Badr Abdelatty hat der Kanal seit Beginn der Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt Ende 2023 rund 11 Milliarden US-Dollar an Einnahmen verloren.
- Bündnisse: Ägypten ist dem im August von Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan unterzeichneten Verteidigungspakt („Mekka-Abkommen“) bislang nicht beigetreten, prüft ihn aber nach eigenen Angaben.
Was gesagt wurde
„Ich spreche nicht davon, gegen jemanden zu kämpfen oder jemanden anzugreifen. Wir sprechen nur von Verteidigung“, sagte Präsident al-Sisi laut AFP.
Ägypten werde „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Saudi-Arabien zu schützen“, zitiert L’Orient Today den Präsidenten. Es sei „absolut inakzeptabel“, dass das Königreich ins Visier genommen werde, so Sisi laut The National.
Zur Lage am Persischen Golf erklärte US-Zentralkommando-Chef Admiral Brad Cooper laut Al Jazeera: „Die Straße von Hormus wird von den Vereinigten Staaten und unseren regionalen Partnern kontrolliert, nicht vom Iran.“ Die iranischen Revolutionsgarden erklärten dagegen laut Euronews: „Die Straße von Hormus ist geschlossen.“ Eine Stellungnahme der Huthis zu Sisis Vorstoß lag zunächst nicht vor.
Hintergrund
Der Krieg im Jemen ist im Juli wieder aufgeflammt, nachdem die Huthis eine „Seeblockade“ saudischer Häfen verkündet und weiteres Territorium erobert hatten. Im September brachten sie die Küste am Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle – die Meerenge am Südausgang des Roten Meeres. Seit der Iran die Straße von Hormus weitgehend gesperrt hat, ist Saudi-Arabien für seine Ölexporte verstärkt auf die Route über das Rote Meer angewiesen. Ägypten hatte sich bereits 2015 der saudisch geführten Intervention im Jemen angeschlossen, vor allem um die Schifffahrtswege im Roten Meer zu sichern. Saudi-Arabien wiederum unterstützt Ägypten seit Jahren finanziell.
Parallel bleibt die Lage am Golf angespannt: Laut der britischen Seefahrtsbehörde UKMTO wurden in der Woche bis zum 16. Oktober mindestens zwölf Schiffe angegriffen. Die Ölsorte Brent erreichte am Freitag erstmals seit Mai wieder 110 US-Dollar je Barrel (siehe auch unsere Meldung: Hormus: Iran meldet Minentreffer bei Supertanker).
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Einordnung: Ein mögliches Eingreifen Ägyptens würde den Konflikt um die zweite große Seeroute der Region – Rotes Meer und Suezkanal – um einen weiteren Akteur erweitern. Für Europa ist dieser Weg zentral für Handel mit Asien und für Energieimporte. Bleiben Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig gestört, dürften Fracht- und Versicherungskosten hoch bleiben, und Umwege um Afrika verlängern Lieferzeiten.
Für Verbraucher in Deutschland spielt das vor allem über Energie- und Importpreise eine Rolle: Ein dauerhaft hoher Ölpreis wirkt auf Heizöl, Kraftstoffe und die allgemeine Inflation. Das wiederum beeinflusst die Erwartungen an die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und damit auch Kredit- und Baufinanzierungskonditionen. Ob und wie stark die Märkte zum Wochenstart reagieren, hängt maßgeblich vom Ergebnis der Parlamentssitzung in Kairo und von einer möglichen Anfrage aus Riad ab – beides ist derzeit offen.
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Quellen
- The National – 17.10.2026
- L’Orient Today / AFP – 17.10.2026
- Channels Television / AFP – 17.10.2026
- Al Jazeera – 17.10.2026
- Euronews – 17.10.2026
- Al Jazeera – 13.09.2026
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