📈 ifo-Index steigt sechsten Monat in Folge auf 90,2 – Industrie erstmals seit 2023 im Plus

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober erneut verbessert: Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg nach Angaben des Münchner ifo-Instituts vom Montag (26. Oktober 2026) auf 90,2 Punkte. Es ist der sechste Anstieg in Folge und der höchste Stand seit Mai 2023 – getragen vor allem von der Industrie, deren Lage- und Erwartungswerte erstmals seit mehr als drei Jahren wieder im Plus liegen.
Die Fakten im Überblick
- Geschäftsklima: 90,2 Punkte (September: 89,9) – sechster Anstieg in Folge, höchster Wert seit Mai 2023.
- Prognosen: Analysten hatten je nach Umfrage mit 89,9 bis 90,1 Punkten gerechnet.
- Geschäftserwartungen: 91,6 Punkte (September: 90,4) – Treiber des Anstiegs.
- Lagebeurteilung: 88,8 Punkte (September: 89,5) – die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Situation etwas schlechter.
- Industrie: Saldo von −2,7 auf +1,2 Punkte; Auftragseingänge steigen, Firmen planen mehr Produktion.
- Dienstleister: Rückschlag, Saldo von +0,7 auf −1,2 Punkte; IT-Dienstleister entwickeln sich besonders gut.
- Handel: unverändert bei −17,2 Punkten; Großhandel besser als Einzelhandel.
- Bau: Verbesserung von −17,0 auf −15,5 Punkte.
- Basis: Befragung von rund 9.000 Unternehmen.
Was gesagt wurde
„Die Konjunkturbelebung setzt sich fort“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest laut ifo-Institut und dpa. Zur Industrie ergänzte er: „Beide Indikatoren drehten erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ins Plus.“
„Die deutsche Wirtschaft fasst zunehmend Tritt – sie arbeitet sich kontinuierlich aus dem Tal heraus“, sagte ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe laut Handelsblatt/Reuters. Die Daten deuteten „auf ein gutes viertes Quartal hin“.
Zurückhaltender äußerte sich Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer laut dpa: „Trotz des robusten Ifo-Geschäftsklimas wachsen die Bäume nicht in den Himmel.“ VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel nannte den leichten Anstieg „dennoch eine gute Nachricht“.
Hintergrund
Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die deutsche Konjunktur. Nach einem Wachstum von nur 0,2 Prozent im Jahr 2025 und zwei Jahren Schrumpfung davor erwartet die Bundesregierung für 2026 inzwischen 1,3 Prozent Wachstum, das ifo-Institut 1,4 Prozent. Für das dritte Quartal rechnet die Bundesbank laut dpa mit einer Stagnation – unter anderem wegen niedriger Pegelstände, die etwa die Chemieproduktion bremsen –, für das vierte Quartal dagegen mit spürbarem Wachstum. Bemerkenswert ist der Anstieg vor dem Hintergrund stark gestiegener Energiepreise infolge des Iran-Konflikts: Die Ölsorte Brent notierte am Montagmorgen bei rund 115 Dollar je Barrel.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Einordnung: Steigende Erwartungen bei gleichzeitig schwächerer Lagebeurteilung zeigen, dass die Erholung bislang vor allem in den Plänen der Unternehmen stattfindet. Ob daraus tatsächlich mehr Produktion, Investitionen und Beschäftigung werden, hängt nach Einschätzung des ifo-Instituts davon ab, ob sich auch die aktuelle Lage bessert. Für Beschäftigte kann eine anziehende Industrie mittelfristig stabilere Arbeitsplätze bedeuten; gleichzeitig laufen in einzelnen Branchen – etwa bei Volkswagen – weiter Sparprogramme.
Für Zinsen und Finanzierungen ist ein einzelner Stimmungsindikator kein Wendepunkt. Eine robustere Konjunktur bei hohen Energiepreisen kann jedoch die Inflationssorgen verstärken und damit die Erwartungen an die Geldpolitik und an die Renditen von Bundesanleihen beeinflussen, an denen sich Baufinanzierungszinsen orientieren. Auch der Euro-Dollar-Kurs reagiert auf solche Daten. In dieser Woche richten sich die Blicke zudem auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed.
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