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Weltnachrichten Wirtschaft & Märkte 📅 23. Oktober 2026 ✍️ Ali Tajfirooz ⏱️ 4 Min. Lesezeit 🔖 Zum Merken einloggen

🛢 Update: Aramco räumt Zentrale in Dhahran – Brent steigt auf über 114 Dollar

Ölraffinerie am Fluss in der Abenddämmerung – Aramco räumt Zentrale in Dhahran, Brent steigt über 114 Dollar

Der Saudi-Huthi-Konflikt erreicht die Schaltzentrale der weltweiten Ölversorgung: Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco hat am Donnerstag, 22. Oktober, seine Konzernzentrale in Dhahran im Osten Saudi-Arabiens räumen lassen. Am Freitagmorgen stieg der Preis für die Nordseesorte Brent daraufhin zeitweise über 114 US-Dollar je Barrel – so hoch wie seit Anfang Mai nicht mehr.

Diese Meldung ist ein Update zu unserem Bericht vom Vortag: Angriffe in Saudi-Arabien: USA ziehen Diplomaten ab – Brent steigt über 110 Dollar.

Die Fakten im Überblick

  • Räumung: Aramco wies laut Reuters (unter Berufung auf sechs Quellen) erstmals seit Wiederaufflammen des Jemen-Kriegs im September alle Beschäftigten an, die Zentrale zu verlassen und von zu Hause zu arbeiten. Laut Bloomberg ging der Räumung ein Alarm im Gebäude voraus.
  • Förderung: Es gab zunächst keine Hinweise darauf, dass Produktion oder Exporte beeinträchtigt sind. Aramco äußerte sich auf Anfrage nicht.
  • Brent: +0,5 % auf 113,75 US-Dollar (Reuters, 04:39 Uhr GMT); laut The National zeitweise 114,50 US-Dollar. Bereits am Donnerstag war Öl um rund 4 % gestiegen – Brent schloss auf dem höchsten Stand seit dem 4. Mai.
  • WTI: rund 100 US-Dollar je Barrel; Brent steuert auf das dritte Wochenplus in Folge zu.
  • Angriffe: Am 21. Oktober griffen die Huthi das Ölfeld Shaybah und den Flughafen King Fahd in Dammam an. Nach saudischen Angaben starben am Flughafen zwei Menschen, acht wurden verletzt. Die Huthi reklamieren zudem Angriffe auf das Verteidigungsministerium in Riad und eine Aramco-Anlage im Exporthafen Yanbu – diese Angaben sind unabhängig nicht bestätigt.
  • Libyen: Zusätzlich wurde ein Ventil der Pipeline von den Ölfeldern Hamada und Tahara zum Hafen Zawiya geschlossen; die Förderung beider Felder sinkt, wie der Chef der staatlichen Ölgesellschaft NOC Reuters sagte.

Was gesagt wurde

  • Die Analysten der Bank ING sehen die Lage am Persischen Golf kritisch: „Re-escalation seems the most likely path“ (sinngemäß: Eine erneute Eskalation scheint der wahrscheinlichste Weg), zitiert Reuters.
  • „The key factors to monitor now are the extent of actual disruption and the time needed to restore operations“ (entscheidend seien nun das Ausmaß tatsächlicher Ausfälle und die Dauer der Wiederherstellung), sagte Linh Tran, Analystin bei XS.com, laut Reuters.
  • Edward Bell, Forschungschef bei MUFG, und Analystin Soojin Kim erklärten laut The National, die Ölpreise blieben „supported by geopolitical risks“ – zugleich lägen Förderung und Exporte durch die Straße von Hormus noch nahe am Vorkriegsniveau.
  • Das saudische Energieministerium hatte nach dem Angriff auf die Aramco-Zentrale am 13. Oktober nur von einem begrenzten Brand ohne Verletzte gesprochen, wie The New Arab berichtet.

Hintergrund

Seit die vom Iran unterstützten Huthi im September an der jemenitischen Rotmeerküste in Richtung der Meerenge Bab al-Mandab vorgerückt sind, kämpfen sie wieder gegen die von Saudi-Arabien geführte Koalition. Die Zentrale in Dhahran liegt im Herzen der saudischen Ölregion und beherbergt ein Kontrollzentrum, das Öl- und Gasanlagen des Konzerns überwacht. In der Nähe liegen Abqaiq, die größte Rohöl-Aufbereitungsanlage, sowie der Exporthafen Ras Tanura. Parallel belasten die Spannungen zwischen den USA und dem Iran rund um die Straße von Hormus den Markt.

Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet

Steigende Rohölpreise wirken mit einigen Tagen bis Wochen Verzögerung auf Heizöl, Diesel und Benzin und damit auf die Inflation. Schon die heute veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum zeigten, dass hohe Energiekosten die Konjunktur bremsen (mehr dazu hier). Für die Europäische Zentralbank wird der Spagat zwischen Preisstabilität und schwächerem Wachstum schwieriger; das beeinflusst die Erwartungen an Kredit- und Bauzinsen ebenso wie die Zinsen für Tages- und Festgeld. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist nach Einschätzung von Analysten, ob es tatsächlich zu Lieferausfällen kommt – bislang ist das nicht der Fall.

Diese Meldung dient der Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

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Quellen

Weiterlesen: Update: Iran meldet sieben getroffene Tanker vor Hormus – Brent steigt auf 112 Dollar

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