🛒 US-Verbraucherstimmung nahe Rekordtief – Inflationserwartung steigt auf 4,7 %

Die Stimmung der US-Verbraucher bleibt historisch schlecht: Der Konsumklimaindex der University of Michigan lag im Oktober laut der am Freitag (23. Oktober 2026, 16 Uhr deutscher Zeit) veröffentlichten finalen Auswertung bei 48,0 Punkten – dem zweitniedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung. Gleichzeitig stiegen die Inflationserwartungen der Haushalte erneut, wenige Tage vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed.
Die Fakten im Überblick
- Konsumklima Oktober (final): 48,0 Punkte – nach 48,1 im September; die vorläufige Schätzung vom Monatsanfang lag bei 46,3 Punkten.
- Rekordtief: 44,8 Punkte im Mai 2026; der Oktoberwert ist laut Reuters der zweitniedrigste der Geschichte.
- Vergleich: rund 10 % unter dem Vorjahresniveau und etwa 15 % unter Februar 2026 – also vor Beginn des Iran-Kriegs.
- Teilindizes: Lagebeurteilung fiel auf 46,7 (September: 50,9), Erwartungskomponente stieg auf 48,8 (September: 46,3).
- Inflationserwartung 1 Jahr: 4,7 % (September: 4,6 %; Februar: 3,4 %).
- Inflationserwartung 5 Jahre: 3,5 % (September: 3,4 %).
- Märkte am Freitag (laut Bloomberg): Brent über 115 US-Dollar je Barrel, WTI +3,2 % auf 102,62 Dollar; Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen 4,99 %, Bundesanleihe 3,35 %; Euro bei 1,1197 Dollar.
- Termine: Fed-Zinsentscheid am kommenden Mittwoch, US-Kongresswahlen (Midterms) am 3. November.
Was gesagt wurde
„Purchasing power continues to dominate consumer views of the economy“ („Die Kaufkraft bestimmt weiterhin den Blick der Verbraucher auf die Wirtschaft“), sagte Joanne Hsu, Direktorin der Surveys of Consumers, laut Reuters.
Bereits zur Vorabveröffentlichung hatte Hsu erklärt: „Inflation expectations over both time horizons increased for the second straight month to their highest readings since May“ – die Inflationserwartungen seien also auf beiden Zeithorizonten zum zweiten Mal in Folge gestiegen (University of Michigan).
US-Präsident Donald Trump macht für die hohen Ölpreise vor allem den Iran verantwortlich: „Iran is doing everything they can to drive up the price of Oil prior to the U.S. Midterm Election“, schrieb er laut CBS News auf Truth Social.
Michael Hartnett, Stratege der Bank of America, sagte laut Bloomberg mit Blick auf die Märkte: „We stay tactically risk-off until mid-Nov.“
Hintergrund
Seit dem Kriegsbeginn zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar 2026 sind die Energiepreise deutlich gestiegen. Die aktuellen Angriffe in der Golfregion und die Lage an der Straße von Hormus haben den Ölpreis diese Woche erneut auf Mehrmonatshochs getrieben. Höhere Sprit- und Lebenshaltungskosten drücken auf die Kaufkraft der US-Haushalte. Besonders stark verschlechterte sich laut Reuters die Stimmung unter parteiunabhängigen Wählern (42,4 nach 47,7 Punkten) – eine Gruppe, die bei den Midterms als wahlentscheidend gilt. Die Umfrage ist ein viel beachteter Frühindikator für den privaten Konsum, der rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmacht.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Steigende Inflationserwartungen in den USA erschweren es der Fed, die Zinsen zu senken – im Gegenteil: Sie erhöhen den Druck, an einer straffen Geldpolitik festzuhalten. Das wirkt über die Kapitalmärkte auch nach Europa: Die Rendite der Bundesanleihe liegt mit 3,35 % auf erhöhtem Niveau, und sie ist ein wichtiger Richtwert für die Konditionen langfristiger Baufinanzierungen in Deutschland. Ein schwächerer US-Konsum kann zudem die Nachfrage nach deutschen Exportgütern dämpfen. Für Verbraucher hierzulande bleibt der Ölpreis der zentrale Faktor: Hält Brent dauerhaft über 110 Dollar, dürften Heizöl- und Kraftstoffpreise erhöht bleiben. Wie stark sich dies in Zinsen und Preisen niederschlägt, hängt maßgeblich von den Entscheidungen der Fed in der kommenden Woche und der EZB ab – eine verlässliche Prognose ist derzeit nicht möglich.
Diese Meldung dient der Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Weiterlesen auf alitaj.de: Aramco räumt Zentrale in Dhahran – Brent steigt auf über 114 Dollar · Fed-Chef Warsh: Kein Zinssignal trotz hoher US-Inflation
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