📊 Eurostat: Schuldenquote im Euroraum steigt auf 87,7 % – elf Staaten über 3 % Defizit

Die Staatsverschuldung im Euroraum ist 2025 weiter gestiegen. Nach Daten, die das EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in Luxemburg veröffentlicht hat, kletterte die Schuldenquote der Eurozone auf 87,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Elf EU-Staaten verfehlten die Defizitgrenze von 3 Prozent – darunter Frankreich mit einem Fehlbetrag von 5,1 Prozent.
Die Fakten im Überblick
- Euroraum 2025: Schuldenquote 87,7 % des BIP (2024: 86,6 %), Haushaltsdefizit unverändert bei 3,0 %.
- EU-27 2025: Schuldenquote 81,5 % (2024: 80,3 %), Defizit stabil bei 3,1 %.
- Defizitgrenze: 11 Mitgliedstaaten lagen bei oder über dem Maastricht-Referenzwert von 3 % des BIP; 12 Staaten überschritten die Schuldengrenze von 60 %.
- Höchste Defizite: Rumänien (7,8 %), Polen (7,2 %), Belgien (5,2 %) und Frankreich (5,1 %).
- Überschüsse: Zypern (+3,6 %), Dänemark (+2,9 %), Griechenland (+2,0 %), Irland (+1,8 %) und Portugal (+0,7 %).
- Höchste Schuldenquoten: Griechenland (145,4 %), Italien (136,7 %), Frankreich (115,7 %), Belgien (108,1 %), Spanien (100,5 %).
- Deutschland: Defizit 2,9 % (2024: 2,7 %) – knapp unter der 3-%-Grenze; Schuldenquote 62,8 % (2024: 61,4 %).
- Aktueller Stand: Laut einer zweiten Eurostat-Veröffentlichung vom selben Tag lag die Schuldenquote des Euroraums Ende des zweiten Quartals 2026 bereits bei 88,8 %, in Deutschland bei 63,4 %.
Was gesagt wurde
Die Eurostat-Mitteilung selbst enthält keine Stellungnahmen. Mit Blick auf Frankreich, das neben den Zahlen auch mit landesweiten Protesten gegen Sparmaßnahmen ringt, mahnen Ökonomen zur Differenzierung – sehen aber wenig Spielraum:
- „France is not Greece“ (Frankreich ist nicht Griechenland), sagte Carsten Brzeski, Global Head of Macro bei der ING, laut AP (via Gulf News).
- „France’s entire economic policy is constrained by such a sizable debt level“ (Frankreichs gesamte Wirtschaftspolitik wird durch eine so hohe Verschuldung eingeschränkt), sagte Gilbert Cette, Wirtschaftsprofessor an der Neoma Business School, laut AP.
Hintergrund
Eurostat veröffentlicht die Defizit- und Schuldendaten zweimal im Jahr im Rahmen des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit; die Oktober-Meldung ist die zweite Notifikation für das Vorjahr. Die Zahlen bilden die Grundlage dafür, wie die EU-Kommission die Haushaltslage der Mitgliedstaaten bewertet. Laut Dow Jones Newswires hat sich das saisonbereinigte Defizit im Euroraum im zweiten Quartal 2026 auf 3,3 % ausgeweitet, in der gesamten EU auf 3,5 %.
Besonders im Fokus steht Frankreich: Mit 5,1 % Defizit und 115,7 % Schuldenquote gehört das Land zu den am höchsten verschuldeten Staaten der EU. Laut AP lag die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen zuletzt bei 4,96 %, Deutschland zahlte für vergleichbare Papiere rund 3,4 %. Über die Proteste und die Reaktion der Anleihemärkte hatten wir bereits am 19. Oktober berichtet.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Für Deutschland zeigen die Daten zweierlei: Die Bundesrepublik hält die Defizitgrenze 2025 noch ein, nähert sich ihr aber an – und die Schuldenquote steigt wieder, nachdem sie in den Vorjahren gesunken war. Steigende Staatsschulden im gesamten Euroraum erhöhen tendenziell das Angebot an Staatsanleihen. Das kann die Renditen am Kapitalmarkt stützen, an denen sich wiederum langfristige Bauzinsen orientieren.
Wachsende Renditeabstände zwischen einzelnen Euro-Ländern – derzeit vor allem zwischen Frankreich und Deutschland – gelten zudem als Gradmesser für Spannungen in der Währungsunion. Ob und wie stark sich das auf Kreditkonditionen oder Sparzinsen hierzulande auswirkt, hängt allerdings auch von der Geldpolitik der EZB, der Inflation und den Energiepreisen ab. Eine direkte Prognose lässt sich aus den Eurostat-Zahlen allein nicht ableiten. Einen Überblick über aktuelle Bauzinsen bietet unser Beitrag Baufinanzierung Berlin 2026.
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Quellen
- Eurostat – Euro area government deficit at 3.0% and EU at 3.1% of GDP (21.10.2026)
- Eurostat – Government debt at 88.8% of GDP in euro area, Q2 2026 (21.10.2026)
- Dow Jones Newswires via finanzen.at – Staatsverschuldung in Europa steigt (21.10.2026)
- AP via Gulf News – France’s economic standing by the numbers (21.10.2026)
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