📈 Großbritannien: Inflation steigt auf 3,5 % – Zinserhöhung im November rückt näher

Die Inflation in Großbritannien ist im September stärker gestiegen als erwartet: Die Verbraucherpreise lagen nach Angaben des britischen Statistikamts ONS vom Mittwoch (21. Oktober 2026) um 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau – nach 3,1 Prozent im August. Treiber waren vor allem die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Kriegs. Damit gilt eine Zinserhöhung der Bank of England im November an den Märkten als nahezu sicher.
Die Fakten im Überblick
- Verbraucherpreise (CPI): +3,5 % zum Vorjahr (August: 3,1 %); Ökonomen hatten laut Reuters-Umfrage im Median mit 3,4 % gerechnet. Höchster Wert seit Oktober 2025.
- Monatsvergleich: +0,4 % gegenüber August.
- Kerninflation (ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol, Tabak): 2,8 % (August: 2,6 %).
- Dienstleistungen: 3,7 % (August: 3,4 %); Waren: 3,2 % (August: 2,7 %).
- Kraftstoffe: +29,8 % zum Vorjahr. Benzin kostete im Schnitt 169,5 Pence je Liter, Diesel 192,5 Pence – jeweils die höchsten Werte seit Sommer 2022.
- Leitzins: aktuell 3,75 %. Laut Investinglive preisten Händler eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte im November mit rund 96 % Wahrscheinlichkeit ein – es wäre die erste Erhöhung seit drei Jahren.
- Pfund: kaum bewegt, GBP/USD um 1,337 Dollar.
Was gesagt wurde
„Inflation climbed notably in September to its highest annual rate in almost a year“ (Die Inflation ist im September deutlich auf die höchste Jahresrate seit fast einem Jahr gestiegen), sagte ONS-Chefvolkswirt Grant Fitzner laut MoneyWeek.
„Increased fuel prices were again the main driver, with the cost of diesel the highest since July 2022“ (Höhere Kraftstoffpreise waren erneut der wichtigste Treiber, Diesel so teuer wie seit Juli 2022 nicht mehr), ergänzte Fitzner.
Die Commerzbank sieht in den Daten Spielraum für die Notenbank: Sie gäben der Bank of England „room to raise rates“ (Raum für Zinserhöhungen), ohne die schwächelnde Wirtschaft stark zusätzlich zu belasten, zitiert FXStreet die Bank.
Gouverneur Andrew Bailey hatte laut Reuters zuletzt erklärt, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung wachse, je länger die Energiepreise hoch blieben. Zugleich betonte er laut einem Bericht der Financial Times, dass Unternehmen die Energiekosten bislang noch weitgehend selbst auffingen.
Hintergrund
Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und Iran im Februar hat die Bank of England ihren Leitzins unverändert gelassen. Großbritannien gilt wegen seiner hohen Abhängigkeit von importiertem Erdgas als besonders anfällig für den Energiepreisschock. Laut Invezz stimmten im September bereits drei von neun Mitgliedern des geldpolitischen Ausschusses für eine Anhebung. Zusätzlicher Preisdruck droht über die Energiepreisobergrenze der Regulierungsbehörde Ofgem, die zum 1. Oktober um 4 % stieg; die Bank of England selbst rechnet laut MoneyWeek mit einer Inflation von rund 4 % Anfang 2027. Am 28. Oktober legt die Regierung zudem ihren Haushalt vor. Parallel bleibt die Lage am Golf angespannt: Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Mittwoch, die Straße von Hormus werde nicht vollständig geöffnet, solange keine Einigung mit den USA erzielt sei.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Die britischen Zahlen zeigen beispielhaft, wie der Ölpreisschock in Europa über Kraftstoffe in die Verbraucherpreise durchschlägt. Auch in Deutschland erwartet die Bundesbank, dass die Inflation bis ins nächste Jahr erhöht bleibt. Steigt der Druck auf weitere Notenbanken, Zinsen anzuheben, kann das auch die Renditen am europäischen Anleihemarkt stützen – und damit mittelbar die Konditionen für Baufinanzierungen sowie für Tages- und Festgeld beeinflussen. Ob und wann die Europäische Zentralbank reagiert, ist offen; sie entscheidet eigenständig auf Basis der Daten für den Euroraum. Für Verbraucher bleiben vor allem die Preise an der Zapfsäule und für Heizenergie der entscheidende Faktor.
Weiterlesen auf alitaj.de: Bundesbank: Inflation bleibt bis ins nächste Jahr „merklich erhöht“ · Brent auf Fünfmonatshoch, WTI über 100 Dollar
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