🇧🇷 Brasilien wählt: Stichwahl Lula gegen Flávio Bolsonaro – Ergebnis in der Nacht

In Brasilien entscheiden die Wählerinnen und Wähler am heutigen Sonntag, 25. Oktober 2026, in einer Stichwahl über das Präsidentenamt. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva (80) tritt gegen den rechten Senator Flávio Bolsonaro (45) an, den Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Die Wahllokale schließen um 17 Uhr Ortszeit in Brasília (21 Uhr MEZ); erste belastbare Ergebnisse werden in der Nacht zum Montag erwartet.
Die Fakten im Überblick
- Wahlberechtigte: rund 159 bis knapp 160 Millionen Menschen; in Brasilien gilt Wahlpflicht.
- Erste Runde (4. Oktober): Flávio Bolsonaro kam laut Wahlgericht TSE auf 47,03 %, Lula auf 45,16 % – ein Vorsprung von gut 2,2 Millionen Stimmen.
- Wahlbeteiligung: Mehr als 33 Millionen Wahlberechtigte blieben in der ersten Runde trotz Wahlpflicht den Urnen fern.
- Umfragen: Die letzten Erhebungen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen; laut Rio Times lag Flávio Bolsonaro in der finalen Datafolha-Umfrage mit 51 zu 49 % der gültigen Stimmen knapp vorn – innerhalb der Fehlermarge.
- Auszählung: Die Stimmabgabe erfolgt elektronisch, Ergebnisse liegen üblicherweise wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale vor.
- Amtsantritt: Der Sieger übernimmt das Amt im Januar 2027.
Was gesagt wurde
„Die Zeit des echten Wandels ist gekommen“, sagte Flávio Bolsonaro nach seiner Stimmabgabe in Rio de Janeiro laut AP. Brasilien könne „nicht weitere vier Jahre auf seinem derzeitigen Kurs“ weitermachen.
Präsident Lula hatte bei seiner Abschlusskundgebung auf die Nähe seines Herausforderers zu US-Präsident Donald Trump angespielt: „Hier muss das Volk entscheiden: Soll es einer sein, der die Nationalflagge küsst, oder einer, der die US-Flagge küsst?“, zitiert ihn ZDFheute.
Der Politikwissenschaftler Oliver Stuenkel von der Fundação Getulio Vargas beschreibt die Stimmung im Land gegenüber dem Council on Foreign Relations so: Die meisten Wähler seien „von ihrer Abneigung oder Angst vor der anderen Seite motiviert“.
Hintergrund
Lula regierte bereits von 2003 bis 2010 und ist seit 2023 wieder im Amt; er strebt eine vierte Amtszeit an und verweist auf Erfolge bei Beschäftigung und Armutsbekämpfung. Flávio Bolsonaro sitzt seit 2019 im Senat und kandidiert erstmals für das Präsidentenamt. Sein Vater Jair Bolsonaro wurde wegen eines Umsturzversuchs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt und befindet sich im Hausarrest. Der Sohn verspricht unter anderem niedrigere Inflation, Ausgabenkürzungen und eine Schuldenobergrenze sowie engere Beziehungen zu Washington.
Wirtschaftlich steht viel auf dem Spiel: Die US-Regierung hat hohe Zölle auf brasilianische Exporte verhängt, die Lula als politische Einmischung kritisiert. Flávio Bolsonaro will dagegen bessere Abkommen mit der Trump-Regierung aushandeln – auch über Rohstoffe. Brasilien schätzt seine Vorkommen an Seltenen Erden laut AP auf bis zu 21 Millionen Tonnen, nach China die zweitgrößten weltweit. Wichtigste Handelspartner sind die USA und China; zu den bedeutenden Exportgütern zählen Rindfleisch, Soja und Eisenerz.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Brasilien ist die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und ein wichtiger Rohstofflieferant – etwa für Eisenerz, Agrarprodukte und perspektivisch für kritische Mineralien, die auch die deutsche Industrie benötigt. Die Richtungsentscheidung dürfte daher beeinflussen, wie sich Brasilien handelspolitisch zwischen den USA, China und Europa positioniert.
An den Finanzmärkten hatte bereits die erste Runde Wirkung gezeigt: Laut Rio Times stieg der brasilianische Leitindex Ibovespa danach an einem Tag um 7,7 % auf ein Rekordhoch. Ein knappes oder umstrittenes Ergebnis könnte zu Schwankungen beim brasilianischen Real und bei Schwellenländer-Anlagen führen; für deutsche Anlegerinnen und Anleger mit Schwellenländer-Fonds kann das spürbar sein. Für Verbraucher in Deutschland sind kurzfristig keine direkten Auswirkungen zu erwarten – mittelfristig spielen die Handels- und Rohstoffpolitik Brasiliens jedoch für Preise von Agrar- und Industriegütern eine Rolle. Diese Einschätzungen sind eine Einordnung, keine Prognose.
Zur US-Handelspolitik und ihren Folgen für Unternehmen lesen Sie auch: Audi baut erstes US-Werk in Georgia.
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