💻 Microsoft überzeugt, Alphabet enttäuscht – KI-Milliarden spalten Tech-Anleger

Die Quartalszahlen der beiden KI-Schwergewichte Microsoft und Alphabet haben am Mittwochabend (28. Oktober) nach US-Börsenschluss für eine klare Spaltung gesorgt: Microsoft übertraf die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn, die Aktie stieg nachbörslich um gut 4 % auf ein Rekordhoch. Die Google-Mutter Alphabet verfehlte dagegen die Gewinnerwartungen deutlich – ihre Aktie fiel im nachbörslichen Handel um rund 8 bis 9 %.
Die Fakten im Überblick
Microsoft (1. Quartal des Geschäftsjahres 2027, Juli–September)
- Umsatz: 92,3 Mrd. US-Dollar (+19 % zum Vorjahr); Analysten hatten laut onvista mit 90,7 Mrd. Dollar gerechnet.
- Bereinigter Gewinn je Aktie: 4,89 Dollar (+18 %), erwartet waren rund 4,72 Dollar.
- Nettogewinn (GAAP): 36,6 Mrd. Dollar (+32 %).
- Cloud-Plattform Azure: Umsatzplus von 48 %; die gesamte Microsoft-Cloud kam auf 63,9 Mrd. Dollar (+30 %).
- Auftragsbestand (kommerzielle Restleistungsverpflichtungen): 677 Mrd. Dollar (+73 %).
- Ausblick: Für das laufende Quartal peilt Microsoft 96,0 bis 97,1 Mrd. Dollar Umsatz an; die Investitionen sollen im Quartal über 50 Mrd. Dollar und im Kalenderjahr 2027 bei rund 170 Mrd. Dollar liegen.
Alphabet (3. Quartal 2026)
- Umsatz: 127,6 Mrd. Dollar (+25 %), knapp unter der Erwartung von rund 127,9 Mrd. Dollar.
- Gewinn je Aktie: 2,12 Dollar (–26 %) – Analysten hatten rund 3 Dollar erwartet. Belastet haben vor allem Buchverluste auf Beteiligungen in Milliardenhöhe.
- Google Cloud: 30,7 Mrd. Dollar Umsatz – mehr als eine Verdopplung (+103 %), operative Marge 36,2 %.
- Werbung: Anzeigenerlöse von rund 82 Mrd. Dollar, unter den erwarteten 83,5 Mrd. Dollar; Suche +12 %, YouTube rund +9 %.
- Freier Cashflow: –9,1 Mrd. Dollar nach –5,9 Mrd. Dollar im Vorquartal – Folge der hohen KI-Investitionen (Quartals-Capex 51,4 Mrd. Dollar).
- Investitionsplan: Für 2026 bleibt die Planung unverändert, für 2027 kündigte Alphabet einen deutlichen Anstieg an.
Was gesagt wurde
„Results exceeded expectations across revenue, operating income, and earnings per share“ (Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen bei Umsatz, operativem Ergebnis und Gewinn je Aktie), erklärte Microsoft-Finanzchefin Amy Hood laut Microsoft-Mitteilung. Zur Nachfrage sagte sie in der Telefonkonferenz: „Customer demand continues to exceed available supply.“ (Die Kundennachfrage übersteigt weiterhin das verfügbare Angebot.) – laut TradingKey-Transkript.
Alphabet-Chef Sundar Pichai führte das Cloud-Wachstum auf eine „huge demand for our AI infrastructure and AI solutions“ (enorme Nachfrage nach unserer KI-Infrastruktur und unseren KI-Lösungen) zurück, berichtet The Motley Fool.
Analyst Dan Ives sieht darin ein positives Signal: „Cloud doubling on contracted demand with margin expanding at the same time settles the demand side of the capex debate“ (Eine Verdopplung im Cloud-Geschäft bei gleichzeitig steigender Marge klärt die Nachfrageseite der Investitionsdebatte), zitiert ihn Yahoo Finance.
Hintergrund
Die großen Cloud-Anbieter – neben Microsoft und Alphabet auch Amazon und Meta – stecken derzeit dreistellige Milliardenbeträge in Rechenzentren, Chips und Energie für künstliche Intelligenz. An den Börsen wächst seit Monaten die Frage, ob sich diese Ausgaben rechnen. Meta hatte vergangene Woche trotz guter Zahlen wegen höherer Ausgabenpläne Kursverluste hinnehmen müssen und will sich über Aktienverkäufe bis zu 95 Mrd. Dollar für den KI-Ausbau beschaffen; auch der geplante Börsengang von Anthropic zeigt, wie viel Kapital in die Branche fließt. Bei Alphabet fällt ins Gewicht, dass der freie Cashflow erneut negativ ist und der Konzern bereits im Juni frisches Eigenkapital aufgenommen hatte. Microsoft betonte dagegen, trotz steigender Investitionen beim Cashflow im positiven Bereich zu bleiben.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Microsoft und Alphabet gehören zu den schwersten Werten in weltweit gestreuten Aktienindizes wie dem MSCI World. Wer über ETFs oder Fonds für Altersvorsorge oder Vermögensaufbau anlegt, ist daher meist indirekt investiert – die gegenläufigen Kursreaktionen dürften sich in breiten Indizes teilweise ausgleichen, können aber am heutigen Donnerstag für Schwankungen bei Technologiewerten sorgen, auch an der Frankfurter Börse und bei europäischen Chip- und Zulieferaktien. Die Zahlen zeigen zudem: Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung bleibt hoch, gleichzeitig achten Anleger stärker darauf, ob die enormen Investitionen auch Gewinne und Cashflow bringen. Für Sparer ist das vor allem ein Hinweis, die Konzentration auf wenige US-Technologiewerte im eigenen Depot im Blick zu behalten. Am Nachmittag (14:45 Uhr) folgt zudem der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank, der für Kreditnehmer und Sparer in Deutschland unmittelbar relevant ist.
Diese Meldung dient der Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
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Quellen
- Microsoft – Microsoft announces first quarter results (28.10.2026)
- TradingKey – Microsoft FY2027 Q1 Earnings Call (28.10.2026)
- onvista – Hyperscaler-Zahlen: Microsoft glänzt, Alphabet sackt ab (28.10.2026)
- Yahoo Finance – Google stock plunges as Q3 sales fall short of expectations (28.10.2026)
- Fortune – Alphabet’s Google Cloud revenue doubles as cash flow stays deep red (28.10.2026)
- The Motley Fool – Google Cloud Revenue Just Grew 103% (28.10.2026)
- CNBC – Alphabet holds 2026 capex unchanged, expects significant increase in 2027 (28.10.2026)
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