🛢 Ölpreis fällt um bis zu 4 %: Hormus-Gespräche in Katar – Trump lässt Angriffe offen

Die Ölpreise sind zum Wochenstart deutlich gefallen: Die Nordseesorte Brent verbilligte sich am Montag, dem 2. November, zeitweise um gut 4 Prozent auf rund 108,50 Dollar je Barrel. Auslöser sind indirekte Gespräche iranischer Unterhändler mit Vermittlern in Katar über eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump will der Diplomatie laut einem Axios-Bericht vorerst mehr Zeit geben, lässt neue Angriffe aber ausdrücklich offen.
Die Fakten im Überblick
- Brent: 108,45 Dollar, minus 4,4 Prozent (Dow Jones, Stand 12:31 Uhr MEZ). Früher am Tag meldeten andere Quellen je nach Zeitpunkt Abschläge von rund 3 bis 3,7 Prozent.
- WTI: rund 100 Dollar (100,14 Dollar um 9 Uhr GMT, minus 3,8 Prozent); laut Euronews zeitweise darunter.
- Vorlauf: Brent beendete den Oktober auf einem Sechsmonatshoch, mit einem Monatsplus von rund 15 Prozent.
- Hormus: Durch die Meerenge läuft normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Öls. Der Schiffsverkehr ist seit Kriegsbeginn Ende Februar stark gestört.
- Gespräche: Am Sonntag trafen sich die Vermittler den dritten Tag in Folge. Direkte Gespräche zwischen Teheran und Washington gibt es laut Iran nicht. Die iranischen Unterhändler verließen Doha am Sonntag – nach Angaben eines mit dem Treffen vertrauten Beamten gegenüber Reuters nicht wegen Schwierigkeiten in den Verhandlungen.
- Vorfälle auf See: Die britische UKMTO meldete am Sonntag einen Projektiltreffer auf ein Handelsschiff in der Straße von Hormus. Am Freitag war der LNG-Tanker Al Mayeda angegriffen worden; Verletzte gab es nicht.
- Prognosen: Goldman Sachs hob laut Euronews die Brent-Prognose für das Jahresende von 90 auf 105 Dollar an. UBS erwartet bis Jahresende rund 110 Dollar.
Was gesagt wurde
- „Either they’ll make a deal, or we’ll just end it“ (sinngemäß: Entweder schließen sie einen Deal, oder wir beenden es einfach), sagte Trump am Sonntag vor einem Wahlkampfauftritt in Iowa, wie The National unter Berufung auf CBS News berichtet.
- Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Teheran sei zu „both military defence and diplomatic engagement“ (militärischer Verteidigung und diplomatischem Engagement) bereit, so NewsBeep. Die Meerenge könne binnen zwei Tagen wieder öffnen, wenn Washington Bedingungen erfülle.
- Anwar Gargash, Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, sprach laut CBS News von einem „watershed year“ (Wendejahr) für die Region. Sein Land hoffe auf Diplomatie und bereite sich zugleich auf das Schlimmste vor.
- „The beginning of the new month has revived expectations that the diplomatic deadlock involving Iran could be resolved“, sagte PVM-Analyst Tamas Varga laut NewsBeep über den Ölmarkt (sinngemäß: Der Monatsbeginn habe die Hoffnung auf ein Ende der Blockade wiederbelebt).
Hintergrund
Trump hatte wiederholt angedeutet, die Angriffe nach den US-Zwischenwahlen an diesem Dienstag wieder aufnehmen zu können. Das Portal Axios berichtet nun, Israels Premier Benjamin Netanjahu habe in einem Telefonat auf neue Schläge gedrängt, während Trump die Verhandlungen weiterlaufen lassen wolle. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Samstag, es sei noch keine Entscheidung über neue Angriffe gefallen. Iran hatte zuvor unter anderem ein Ende der US-Seeblockade seiner Häfen und die Aufhebung der Ölexportsanktionen gefordert.
Der Markt hatte zuletzt viel Eskalationsrisiko eingepreist: Goldman Sachs beziffert die geopolitische Risikoprämie laut Euronews auf rund 27 Dollar je Barrel. Die Analysten von ING werfen laut WirtschaftsWoche die Frage auf, ob diese Prämie bestehen bleibt, wenn die Wahlen ohne Angriffe und ohne Einigung verstreichen. Goldman warnt zugleich vor der Gegenrichtung: Bleibt die Förderung am Golf 3,5 Millionen Barrel pro Tag unter dem Schnitt von 2025, könnte Brent 2027 laut NewsBeep auf 140 Dollar steigen.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Energiepreise: Ein niedrigerer Rohölpreis kann Sprit und Heizöl entlasten, in der Regel aber zeitversetzt und nicht eins zu eins. Einordnend gilt: Auch nach dem Rückgang liegt Brent weit über dem Jahresanfang. Der Euro stieg laut Dow Jones zuletzt auf etwa 1,1210 Dollar, was in Dollar gehandeltes Öl für Abnehmer im Euroraum etwas verbilligt.
Zinsen und Inflation: Die EZB hat ihre Leitzinsen laut WirtschaftsWoche im Juni und September angehoben; hohe Ölpreise gelten als Inflationsrisiko. Dauerhaft niedrigere Ölpreise könnten den Druck auf weitere Schritte verringern; ein erneuter Anstieg würde ihn eher erhöhen. Für Kreditnehmer ist das relevant, weil Inflationserwartungen auch die Finanzierungskosten beeinflussen.
Börse: Nach dem schwächsten Wall-Street-Tag seit Juni am Freitag deuteten die US-Futures vorbörslich auf eine leichte Erholung hin. Ob die Entspannung hält, ist offen: Eine Einigung steht aus, und die Wahlen am Dienstag gelten als nächster Prüfstein.
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Mehr zum Thema: USA drängen laut WSJ auf russisches Gas für Europa · Trump schließt Iran-Angriff für Sonntag aus – Katar vermittelt
Quellen
- Dow Jones via MarketScreener, 02.11.2026
- Euronews, 02.11.2026
- The National, 02.11.2026
- AP via ClickOnDetroit, 02.11.2026
- WirtschaftsWoche, 02.11.2026
- CBS News, 02.11.2026
- NewsBeep, 02.11.2026
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