Zum Inhalt springen
Weltnachrichten Wirtschaft & Märkte 📅 2. November 2026 ✍️ Ali Tajfirooz ⏱️ 4 Min. Lesezeit 🔖 Zum Merken einloggen

🔥 USA drängen laut WSJ auf russisches Gas für Europa – Kreml: derzeit nicht umsetzbar

Gelbe Gasleitung mit Absperrventil an einer Betonwand – USA drängen laut WSJ auf russisches Gas für Europa

Die USA setzen sich laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) dafür ein, dass russisches Erdgas rasch wieder durch ukrainische Pipelines nach Europa fließt – als Teil der Gespräche über eine Energie-Waffenruhe vor dem Winter. Der Kreml erklärte am Montag, dem 2. November 2026, das sei angesichts der Lage vor Ort derzeit nicht möglich. In Europa stößt die Idee auf Widerstand.

Die Fakten im Überblick

  • Quelle des Berichts: Das WSJ beruft sich auf ungenannte Regierungsvertreter aus den USA, Europa und der Ukraine. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig bestätigen. Die folgenden Details stammen aus diesem Bericht.
  • Ursprung: Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sollen die Idee im September bei Reisen nach Moskau und Kiew vorgebracht haben.
  • Modell: Das Gas würde über einen US-Zwischenhändler verkauft. Die Erlöse könnten nach Angaben eines ranghohen US-Beamten auf ein Treuhandkonto in einem Drittstaat fließen, damit Moskau damit nicht den Krieg finanziert.
  • Infrastruktur: Genutzt würde das sowjetische Leitungsnetz durch die Ukraine, die dafür Transitgebühren erhielte. Eine Wiederinbetriebnahme von Nord Stream sehen US-Vertreter als möglichen Teil eines größeren Abkommens.
  • Stand: Im Oktober lagen die Pläne auf Eis. Die Ukraine hatte ihre Angriffe auf russische Raffinerien auf Druck von US-Präsident Donald Trump knapp zwei Wochen ausgesetzt, nahm sie aber am 30. Oktober wieder auf.
  • Nächster Termin: Verhandler der USA, Russlands und der Ukraine sollen sich im November in den Vereinigten Arabischen Emiraten treffen; ein fester Termin ist nicht bestätigt.
  • Marktlage: Der europäische Gaspreis TTF lag am Montag bei rund 101 bis 102 Euro je Megawattstunde. Die EU-Gasspeicher sind zu rund 75 Prozent gefüllt, die deutschen zum 1. November zu etwa 61 Prozent.

Was gesagt wurde

  • Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte laut Reuters, die Pläne seien im Moment nicht umsetzbar.
  • Ein US-Vertreter erklärte laut dem WSJ-Bericht, wirtschaftliche Vorschläge seien besprochen worden; jede Vereinbarung wäre Teil eines umfassenden Friedensabkommens (Kurdistan24).
  • „Russische Energie zu kaufen, ist also eine sehr dumme Idee“, sagte der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten bereits am 28. Oktober in Den Haag zu früheren Berichten über solche Pläne (Übersetzung, DutchNews).
  • „Wir haben keine Versorgungskrise. Wir haben eine Preiskrise“, sagte Hendrik Diers von der Universität Köln zur Lage in Deutschland (ZDFheute).

Hintergrund

Der Gastransit durch die Ukraine ruht seit Anfang 2025, als der Fünfjahresvertrag zwischen Gazprom und Naftogaz auslief. Nach dem WSJ-Bericht stammen heute noch rund 11 Prozent des europäischen Gases aus Russland, vor dem Krieg waren es 45 Prozent; US-Flüssiggas deckt etwa 30 Prozent.

Rechtlich steht dem Vorschlag die EU-Verordnung vom Januar entgegen: Russisches LNG aus Langfristverträgen ist ab Anfang 2027 verboten, Pipelinegas spätestens ab dem 30. September 2027. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bekräftigte im Oktober, das Verbot bleibe auch nach einem Friedensschluss bestehen. Die Verordnung erlaubt der Kommission allerdings eine befristete Aussetzung, wenn die Versorgungssicherheit ernsthaft bedroht ist. Laut der Kommission sieht eine Expertengruppe für diesen Winter keine solche Bedrohung.

Dass das Thema gerade jetzt Gewicht hat, liegt am Krieg gegen den Iran: Die Störungen rund um die Straße von Hormus halten vor allem katarisches LNG vom Markt fern. Der TTF hatte vergangene Woche erstmals seit 2022 wieder die Marke von 100 Euro überschritten.

Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet

Kurzfristig ändert der Bericht an der Versorgung nichts: Es gibt keine Vereinbarung, Moskau winkt vorerst ab, und die EU-Regeln stehen dagegen. Der leichte Preisrückgang am Montag wird von Marktbeobachtern vor allem mit der Diplomatie im Nahen Osten erklärt, nicht mit dem Gasplan.

Für Haushalte bleibt der Preis das Thema. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung für stabil, Behördenchef Klaus Müller mahnt aber laut Das Gelbe Blatt: „Gas ist erheblich teurer geworden.“ Bei Neuverträgen nennt Verivox laut ZDF derzeit rund 14 Cent je Kilowattstunde, vor dem Iran-Krieg waren es acht bis zehn Cent. Rein rechnerisch bedeutet bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch jeder zusätzliche Cent rund 200 Euro Mehrkosten im Jahr. Wie stark das Bestandskunden trifft, hängt von Preisgarantie und Vertragslaufzeit ab.

Einordnend gilt: Hohe Energiepreise wirken auf Inflation und Industriekosten und damit auch auf die Zinserwartungen. Wie sich das im Winter entwickelt, hängt von Temperaturen, LNG-Lieferungen und dem Fortgang der Verhandlungen ab; verlässlich vorhersagen lässt es sich nicht. Mehr zum Zusammenhang lesen Sie in unserer Analyse zum Diesel-Deal und Europas Wirtschaft; zur Finanzierung energetischer Maßnahmen im Beitrag zum Modernisierungskredit.

Diese Meldung dient der Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.

📅 Persönliche Beratung – Termin online buchen

Steigende Heizkosten verändern die Rechnung bei Immobilie und Modernisierung – wir gehen Ihre Finanzierung gemeinsam durch. Kostenlos & unverbindlich – mit sofortiger Bestätigung und Kalendereintrag.

📅 Jetzt Termin online buchen

Oder direkt: WhatsApp/Telefon +49 176 70 200 705 · info@alitaj.de

Quellen

Fragen zu diesem Thema?

Ali Tajfirooz berät Sie persönlich – auf Deutsch, Farsi oder Englisch.

Passende Beiträge

← Vorheriger Beitrag
Termin buchenkostenlos · in 1 Minute