🏦 Bank of England erhöht Leitzins auf 4 %: Erste Zinserhöhung seit 2023

Die Bank of England hat ihren Leitzins am Donnerstag, dem 5. November 2026, um 0,25 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung in Großbritannien seit 2023. Die Notenbank reagiert damit auf die von hohen Energiepreisen getriebene Inflation und schließt weitere Schritte nicht aus.
Die Fakten im Überblick
- Leitzins: 4,0 % nach zuvor 3,75 %. Zuletzt hatte die Notenbank den Satz im Dezember 2025 von 4 % gesenkt.
- Abstimmung: 8:1 im geldpolitischen Ausschuss. Catherine Mann wollte stärker erhöhen, um 0,5 Punkte auf 4,25 %.
- Inflation aktuell: 3,5 % im September, das Ziel der Notenbank liegt bei 2 %.
- Inflationsprognose: rund 5 % bis Mitte 2027. Im Basisszenario sind es laut Reuters im Schnitt 4,8 % im zweiten Quartal 2027; die Rückkehr auf 2 % erwartet die Bank demnach erst im dritten Quartal 2028.
- Risikoszenario: Bei einem Ölpreis um 130 Dollar je Barrel läge die Inflation laut Reuters im dritten Quartal 2027 bei 6,2 %.
- Wachstum: Die Bank hob ihre Prognose laut Reuters auf 1,6 % für 2026 und 1,3 % für 2027 an.
- Märkte: Das Pfund legte leicht zu und notierte laut Reuters zuletzt bei 1,3477 Dollar und 83,25 Pence je Euro. Die Rendite zweijähriger britischer Staatsanleihen stieg je nach Zeitpunkt um 2 bis 4 Basispunkte, der FTSE 100 lag rund 0,6 bis 0,7 % im Plus.
Was gesagt wurde
„Die heutige Erhöhung sollte nicht als erste einer unausweichlich langen Serie von Zinsschritten verstanden werden“, sagte Notenbankchef Andrew Bailey laut Reuters. Er ergänzte: „Doch solange der Konflikt im Nahen Osten nicht gelöst ist, dürfte sie auch nicht die letzte sein.“ (beide aus dem Englischen übersetzt)
„Die Bank of England wurde widerwillig in einen globalen Zinserhöhungszyklus hineingezogen, der von importierter Energieinflation getrieben wird“, sagte David Rees, Chefvolkswirt bei Schroders, in einer von Reuters gesammelten Marktstimme. Er rechnet mit einem Höchststand von 4,25 %.
„Der heutige Schritt wirkt weiterhin eher maßvoll und auf den Erhalt der Glaubwürdigkeit ausgerichtet als wie der Beginn eines aggressiven Zyklus“, sagte Madison Faller, Anlagestrategin bei J.P. Morgan Private Bank, laut Reuters.
„Solange die Energiepreise nicht zurückgehen, werden weitere Zinserhöhungen vom Risiko zur realen Aussicht“, sagte Suren Thiru, Chefvolkswirt des Berufsverbands ICAEW, laut MoneyWeek.
Hintergrund
Auslöser ist der Energiepreisschock durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. In den 15 britischen Arbeitstagen bis zum 27. Oktober kostete Brent-Öl im Schnitt 108 Dollar und britisches Erdgas 216 Pence je Therm; das waren laut Anadolu 38 und 81 Prozent mehr als beim Prognosebericht im Juli. Auf andere Preise und Löhne hat das bisher nur begrenzt durchgeschlagen.
Im Ausschuss gehen die Ansichten über das weitere Vorgehen auseinander: Laut Reuters halten Megan Greene und Chefvolkswirt Huw Pill weitere Straffungen für möglich, während Swati Dhingra und Alan Taylor zuerst stärkere Belege für Zweitrundeneffekte sehen wollen. Die Finanzmärkte preisen für 2027 drei weitere Schritte um je 0,25 Punkte ein, mehr als die meisten Ökonomen erwarten. Die Notenbank selbst betont, die Geldpolitik sei nicht auf einen festen Kurs festgelegt.
Für britische Haushalte wird Finanzieren bereits teurer: Der durchschnittliche neue Hypothekenzins liegt laut Moneyfacts bei 5,89 %, die zweijährige Festschreibung bei 5,97 % nach 4,94 % vor einem Jahr (MoneyWeek).
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Die folgende Einordnung ist keine Prognose. Unmittelbar ändert die Entscheidung an den Zinsen in Deutschland nichts, denn hier setzt die EZB den Rahmen. Sie zeigt aber, dass der Energiepreisschock die Notenbanken in Europa in dieselbe Richtung drängt: Die Inflation im Euroraum lag im Oktober bei 4,0 %, eine Zinserhöhung der EZB im Dezember gilt an den Märkten als eingepreist.
Für Kreditnehmer ist das ein Signal, dass die Finanzierungskosten vorerst nicht automatisch sinken. Ob und wie stark sich das bei Bauzinsen zeigt, hängt vor allem von der EZB und den Renditen am Anleihemarkt ab; einen Überblick gibt unser Beitrag zur Baufinanzierung 2026. Wer Pfund braucht, etwa für Reisen oder Zahlungen nach Großbritannien, rechnet derzeit mit gut 1,20 Euro je Pfund; mehr zu den Einflussfaktoren steht im Beitrag zum Euro-Pfund-Kurs. Für deutsche Exporteure bleibt Großbritannien ein Markt, dessen Haushalte laut Prognose der Notenbank 2026 und 2027 sinkende reale Arbeitseinkommen verkraften müssen.
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Quellen
- Reuters über AOL, 05.11.2026
- Reuters Instant View über Global Banking & Finance, 05.11.2026
- MoneyWeek, 05.11.2026
- Anadolu über A News, 05.11.2026
- ORF, 05.11.2026
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