🛡 Rheinmetall stürzt um bis zu 18,5 % ab: Prognose erneut gesenkt – DAX auf Rekordhoch

Die Aktie von Rheinmetall ist am Donnerstagvormittag um bis zu 18,5 Prozent auf knapp 819 Euro eingebrochen, den tiefsten Stand seit Februar 2025. Der Rüstungskonzern hatte am Mittwochabend seine Jahresprognose zum zweiten Mal binnen drei Monaten gesenkt. Der DAX erreichte zur selben Zeit ein neues Allzeithoch.
Die Fakten im Überblick
- Umsatzprognose 2026: rund 13,2 Mrd. Euro statt bisher 13,7 bis 14,2 Mrd. Euro (2025: 9,94 Mrd. Euro). Der neue Wert liegt laut Reuters unter der niedrigsten von 22 Analystenschätzungen.
- Operative Marge: rund 18,5 Prozent statt rund 19 Prozent. Das Ziel einer Cash-Conversion-Rate von über 40 Prozent wurde gestrichen.
- Gründe laut Unternehmen: Das Bundeswehr-Projekt Arminius für den Radpanzer Boxer kann erst 2027 beauftragt werden, zudem verzögern sich Losabnahmen bei Artilleriemunition.
- Drittes Quartal: Umsatz 3,15 Mrd. Euro (Vorjahr 2,31 Mrd. Euro), operatives Ergebnis plus 62 Prozent auf 553 Mio. Euro, operative Marge 17,5 Prozent (Vorjahr 14,8 Prozent), Auftragseingang 2,89 Mrd. Euro.
- Auftragsbestand: 78 Mrd. Euro Ende September (Vorjahr 56,7 Mrd. Euro).
- Kurs: Xetra-Schluss am Mittwoch 1.003,40 Euro, gegen 10:50 Uhr rund 16 Prozent im Minus bei etwa 844 Euro. Das Rekordhoch von rund 2.008 Euro liegt gut ein Jahr zurück.
- Branche: Hensoldt und Renk verloren laut Marktbericht zeitweise jeweils bis zu 6 Prozent, Leonardo 2,7 Prozent.
- DAX: neues Rekordhoch bei 26.644 Punkten laut dpa (Stand 10:12 Uhr), Rheinmetall war Schlusslicht im Index.
Was gesagt wurde
„Wir haben ein sehr gutes Wachstum bei hoher Profitabilität und sind damit im Branchenvergleich auch international führend“, sagte Vorstandschef Armin Papperger laut Financial Times Deutschland.
„Die Nachfrage bleibt stark, und es gelingt uns weiterhin, Großaufträge zu gewinnen“, heißt es von Papperger in der englischen Unternehmensmitteilung (eigene Übersetzung).
„Der Boxer-Auftrag scheint nicht die ganze Geschichte zu sein“, sagte ein namentlich nicht genannter Händler laut Reuters (eigene Übersetzung). Ein anderer Händler sprach laut finanzen.ch von „sehr unglücklichem Timing“.
JPMorgan-Analyst David Perry hält die Strategie laut dpa-AFX nicht für grundsätzlich falsch, die bisherigen Ziele aber wohl für unrealistisch. Citigroup-Analyst Charles Armitage wertet die Enttäuschung dagegen nur als Verschiebung.
Hintergrund
Rheinmetall hatte die Umsatzprognose schon im August gesenkt, nachdem das Fregattenprojekt F126 gestoppt worden war. Perry zählt nun die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung innerhalb von elf Monaten. Das Unternehmen spricht beim Projekt Arminius von der Schlussphase der Verhandlungen, nennt laut Reuters aber keinen neuen Zeitplan. Das Fachportal Hartpunkt berichtete laut FTD von einer möglichen Verschiebung auf Februar 2027. Papperger hatte den Rheinmetall-Anteil an einem ersten Auftrag im August auf rund 12,4 Mrd. Euro beziffert, die erwartete Anzahlung auf über 3 Mrd. Euro. Diese Anzahlung fällt in diesem Jahr nun weg.
Für den Kursrutsch dürfte nicht nur die Prognose eine Rolle spielen. Händler verweisen laut Marktbericht auch auf den Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen: Er könnte die Friedensaussichten verbessern und die weltweiten Rüstungsausgaben dämpfen. Am 27. November folgt der Kapitalmarkttag von Rheinmetall. Perry rechnet damit, dass die Ziele für 2030 dort gesenkt werden. Zur Börsenstimmung nach der US-Wahl hatten wir hier berichtet.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Einordnung: Die Meldung betrifft zunächst vor allem Aktionäre von Rheinmetall und anderer Rüstungswerte. Für Verbraucher hat sie keine direkte Wirkung auf Preise oder Kreditzinsen.
Der Tag zeigt allerdings, wie weit Index und Einzelwert auseinanderlaufen können: Der DAX stieg auf ein Rekordhoch, während sein Rüstungswert zweistellig verlor. Wer breit gestreut anlegt, spürt einen solchen Einbruch deutlich schwächer als jemand, der stark in einer einzelnen Aktie investiert ist.
Gesamtwirtschaftlich ist der Fall ein Hinweis auf die Taktung staatlicher Großaufträge. Die Nachfrage ist laut Unternehmen weiter hoch, doch der Zeitpunkt von Vergaben und Anzahlungen beeinflusst Umsatz und Liquidität erheblich. Wie sich das auf Zulieferer auswirkt, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor. Mehr zum Thema Rüstungsmärkte lesen Sie in unserem Beitrag Kriegsökonomie 2026.
Diese Meldung dient der Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
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Quellen
- Reuters (via WBOW), 04.11.2026
- Reuters (via Investing.com), 05.11.2026
- dpa-AFX (via ARIVA), Roundup, 05.11.2026
- dpa-AFX (via ARIVA), Aktie im Fokus, 05.11.2026
- Rheinmetall AG, Mitteilung (via PresseBox), 05.11.2026
- Financial Times Deutschland, 05.11.2026
- Financial Times Deutschland, Vorschau, 04.11.2026
- wallstreet:online, 05.11.2026
- Der Aktionär, 05.11.2026
- MarketScreener, Aktien Frankfurt, 05.11.2026
- finanzen.ch, Märkte Europa, 05.11.2026
- dpa (via AD HOC NEWS), 05.11.2026
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