✈ Boeing verringert Quartalsverlust auf 116 Mio. Dollar – Jet-Sparte bleibt im Minus

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat am Dienstag, 27. Oktober 2026, für das dritte Quartal einen Nettoverlust von 116 Millionen US-Dollar gemeldet – nach einem Minus von rund 5,3 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um 4 Prozent auf 24,2 Milliarden Dollar, getragen vor allem vom Verteidigungsgeschäft. Die zivile Flugzeugsparte schrieb jedoch weiter rote Zahlen, und der bereinigte Verlust je Aktie fiel höher aus als von Analysten erwartet.
Die Fakten im Überblick
- Umsatz: 24,19 Mrd. US-Dollar (+4 % zum Vorjahr)
- Nettoverlust: 116 Mio. Dollar bzw. 26 Cent je Aktie (Vorjahr: 5,34 Mrd. Dollar Verlust, damals belastet durch eine hohe Sonderbelastung für die 777X)
- Bereinigter Verlust je Aktie: 34 Cent – Analysten hatten laut LSEG-Daten im Schnitt mit 21 Cent gerechnet
- Zivile Flugzeugsparte (Commercial Airplanes): Umsatz 10,7 Mrd. Dollar (−3 %), operativer Verlust 697 Mio. Dollar, Marge −6,5 %
- Auslieferungen: 161 Verkehrsflugzeuge im Quartal (Vorjahr: 160), davon 124 Maschinen der 737-Familie
- Verteidigung, Raumfahrt & Sicherheit: Umsatz 7,9 Mrd. Dollar (+15 %), operativer Gewinn 492 Mio. Dollar – inklusive 252 Mio. Dollar aus dem Verkauf von HRL Laboratories
- Freier Cashflow: rund 464 Mio. Dollar (Vorjahr: 238 Mio.), trotz rund 700 Mio. Dollar Zahlungen im Zusammenhang mit einem Vergleich mit dem US-Justizministerium
- Auftragsbestand: Rekordwert von 745 Mrd. Dollar, darunter mehr als 6.300 Verkehrsflugzeuge; 300 Netto-Bestellungen im Quartal, u. a. von Turkish Airlines, Ethiopian Airlines und Lufthansa
Was gesagt wurde
Boeing-Chef Kelly Ortberg bezeichnete die Zulassungen der 737-7 und 737-10 sowie den Zuschlag für den Navy-Kampfjet F/A-XX als „important steps as we continue building on our progress“ und fügte hinzu: „But we are not done.“ (laut AeroTime). Das Unternehmen bleibe „focused on safety and quality“, so Ortberg.
In einer Nachricht an die Belegschaft sprach Ortberg laut SSBCrack News von „more work to do“ bei der finanziellen Entwicklung; die Stabilisierung der Produktion habe „a little bit longer“ gedauert als erwartet.
Hintergrund
Boeing steckt seit mehreren Jahren in einer Sanierungsphase, nachdem Qualitätsprobleme, Produktionsauflagen und ein Streik die Fertigung ausgebremst hatten. Ziel ist, die Produktion der 737 von 42 auf stabil 47 Maschinen pro Monat zu steigern. Diese Marke wollte Boeing laut Reuters bereits im Sommer erreichen, was bislang nicht gelungen ist; Ortberg hatte im September auf Engpässe bei der Fertigung von Tragflächen verwiesen. Die 787 läuft stabil mit acht Maschinen pro Monat, die erste Auslieferung der 777-9 ist weiterhin für 2027 geplant. Als Gründe für den Verlust der Jet-Sparte nannte Boeing einen ungünstigeren Auslieferungsmix, höhere Kosten für künftige Produktionsanpassungen sowie gestiegene Lieferkettenkosten.
An der Börse reagierten Anleger uneinheitlich: Zum Handelsstart notierte die Aktie laut TheStreet leicht im Plus, im weiteren Vormittagshandel lag sie laut einem AP-Marktbericht rund 9,4 Prozent im Minus.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Einordnung: Boeings Lieferprobleme betreffen auch europäische Airlines wie Lufthansa, die Maschinen bestellt haben. Verzögerte Auslieferungen können Flottenmodernisierungen bremsen und das Angebot an Sitzplätzen knapp halten – ein Faktor unter vielen, der Ticketpreise beeinflussen kann. Für den europäischen Konkurrenten Airbus und seine Zulieferer in Deutschland bleibt die Lage im Duopol des Flugzeugbaus von Bedeutung. Der Rekord-Auftragsbestand zeigt zugleich, dass die Nachfrage nach Flugzeugen hoch bleibt. Hinzu kommt das Zinsumfeld: Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über ihren Leitzins, die EZB in dieser Woche ebenfalls – das wirkt auf Dollarkurs, Kapitalkosten großer Industriekonzerne und letztlich auch auf Finanzierungskonditionen hierzulande.
Weiterführend auf alitaj.de: Mercedes-Benz senkt Prognose 2026 · Euro-Dollar-Kurs 2026: Stand und Szenarien
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Quellen
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