⚖️🏠 Tag 2 Immobilienkauf in Deutschland: Mieten oder kaufen? Die Rechnung über 10 und 20 Jahre

Serie „180 Tage Immobilienkauf in Deutschland“ · Tag 2 von 180 · Kapitel A: Entscheidung und Vorbereitung
Geltungsbereich: Deutschland, Beispiel Berlin · Stand der Zahlen: 2. November 2026
„Miete ist rausgeschmissenes Geld“ – dieser Satz fällt fast in jedem Gespräch über den Immobilienkauf. Er stimmt nur zur Hälfte, denn auch ein Eigentümer hat Kosten, die nie zurückkommen: Zinsen, Kaufnebenkosten, Verwaltung, Reparaturen und die entgangenen Erträge seines Eigenkapitals. Heute rechnen wir dasselbe Paar aus Tag 1 einmal als Mieter und einmal als Eigentümer durch – über 10 und 20 Jahre, mit offengelegten Annahmen. Das Ergebnis ist unbequem, aber nützlich: Die Antwort hängt weniger von der Immobilie ab als von Kaufpreisfaktor, Spardisziplin und Wertentwicklung.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- Faire Vergleiche rechnen Vermögen gegen Vermögen: Der Mieter legt das Eigenkapital und die monatliche Ersparnis an, der Eigentümer tilgt seinen Kredit.
- Im Beispiel kostet die Wohnung das 30-Fache der Jahreskaltmiete. Nach einer gängigen Faustregel gilt das als teuer.
- Im wahrscheinlichen Szenario liegt der disziplinierte Mieter nach 10 Jahren rund 58.600 € und nach 20 Jahren rund 67.700 € vorn. Im günstigen Szenario überholt der Käufer ihn ab Jahr 8.
- Legt der Mieter nur die Hälfte der Ersparnis an, ist der Käufer ab Jahr 11 im Vorteil. Spardisziplin entscheidet also mit.
- Das Ergebnis ist kein Urteil gegen den Kauf: Kündigungsschutz, Gestaltungsfreiheit und Mietfreiheit im Alter lassen sich nur teilweise in Euro ausdrücken.
🎯 Lernziel
Nach diesem Beitrag können Sie für jede konkrete Wohnung Kaufpreisfaktor und Opportunitätskosten berechnen, die Vermögensentwicklung von Mieter und Käufer über 10 und 20 Jahre vergleichen und erkennen, welche Annahme Ihr Ergebnis am stärksten beeinflusst.
🧭 Schritt für Schritt: So vergleichen Sie Mieten und Kaufen richtig
1. Die passende Vergleichsmiete finden
Vergleichen Sie die Kaufwohnung mit einer gleichwertigen Mietwohnung – gleiche Lage, gleiche Größe, gleicher Zustand. In Berlin klaffen zwei Werte weit auseinander:
- Bestandsmieten: Der Mittelwert des Berliner Mietspiegels 2026 liegt bei 7,71 €/m² nettokalt. Er beschreibt bestehende Mietverhältnisse, nicht das, was Sie heute für eine freie Wohnung zahlen.
- Angebotsmieten: Ein Portalvergleich nennt für 50 bis 79 m² rund 14,77 €/m². Das ist kein amtlicher Wert, kommt aber dem nahe, was Wohnungssuchende am Markt sehen.
Wer schon eine günstige Altmiete hat, rechnet mit seiner echten Miete. Wer ohnehin umziehen muss, rechnet mit der Angebotsmiete.
2. Den Kaufpreisfaktor berechnen
Der erste schnelle Test lautet: Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete einer vergleichbaren Wohnung. Eine verbreitete Faustregel bewertet das so:
| Faktor | Einordnung |
|---|---|
| unter 22 | Kauf eher günstig |
| 22 bis 27 | ausgewogen |
| über 27 | Kauf eher teuer, lohnt sich vor allem bei starker Wertsteigerung |
Das ist eine Orientierung aus der Praxis, keine Regel und kein Gesetz. Rechnen Sie immer mit dem konkreten Objekt statt mit Stadtdurchschnitten.
3. Gleiche Kosten streichen
Heizung, Wasser, Müllabfuhr und Grundsteuer zahlen in der Regel beide – der Mieter über die Betriebskosten, der Eigentümer über das Hausgeld und den Steuerbescheid. Diese Posten fallen aus dem Vergleich heraus. Übrig bleiben auf der Eigentümerseite vor allem drei Dinge: die Kreditrate, der nicht umlagefähige Teil des Hausgelds (Verwaltung, Instandhaltungsrücklage) und die eigene Rücklage für Reparaturen in der Wohnung.
4. Opportunitätskosten einbeziehen
Eigenkapital, das in der Wohnung steckt, arbeitet nicht mehr anderswo. Dieser entgangene Ertrag heißt Opportunitätskosten. Für einen fairen Vergleich müssen Sie annehmen, was das Geld sonst bringen würde. Zur Einordnung: Festgeld über 10 Jahre bringt laut einer Marktanalyse im Durchschnitt 3,00 % und bestenfalls 3,75 % im Jahr (Stand 1. Oktober 2026, vor Steuern). Breit gestreute Aktienfonds können langfristig mehr bringen, schwanken aber stark. Eine Garantie gibt es nicht.
5. Vermögen am Ende vergleichen
Am Ende zählt nicht „Wer zahlt weniger im Monat?“, sondern: Was gehört wem nach 10 und 20 Jahren? Beim Käufer ist das der Wohnungswert abzüglich Verkaufskosten und Restschuld. Beim Mieter ist es sein angelegtes Vermögen.
6. Das Nicht-Rechenbare ehrlich gewichten
Eigentum bedeutet: kein Vermieter, freie Gestaltung, Schutz vor Eigenbedarfskündigung (§ 573 BGB) und im Alter eine abbezahlte Wohnung. Miete bedeutet: Beweglichkeit, kein Klumpenrisiko in einem einzigen Objekt und keine Verantwortung für Großreparaturen. Beides hat einen Wert, den jeder Haushalt selbst festlegen muss.
🧮 Rechenbeispiel: dasselbe Paar als Mieter und als Käufer
Rechenbeispiel – Annahmen: Paar aus Tag 1, Berlin, Nettoeinkommen 5.200 €, Lebenshaltung ohne Wohnen 2.300 €, Ersparnisse 130.000 €. Wohnung 75 m², Kaufpreis 400.000 €. Darlehen 344.280 €, einsetzbares Eigenkapital 102.000 €, Reserven 28.000 € bleiben in beiden Fällen unberührt. Alle Werte sind Schätzungen.
Änderung gegenüber Tag 1: Der Top-Sollzins bei Dr. Klein liegt am 2. November 2026 bei 4,09 % (10 Jahre Zinsbindung, 350.000 € Nettodarlehen; effektiv 4,20 %), an Tag 1 waren es 3,97 %. Ihr persönlicher Zins kann besonders bei hoher Beleihung darüber liegen.
Schritt 1: Kaufpreisfaktor
Vergleichbare Kaltmiete (Annahme): 14,80 €/m² × 75 m² = 1.110 € im Monat, also 13.320 € im Jahr.
Faktor = 400.000 ÷ 13.320 = 30,0
Der Wert liegt über 27. Nach der Faustregel ist der Kauf also eher teuer.
Schritt 2: Monatliche Kosten im ersten Jahr
Rate = 344.280 × (0,0409 + 0,02) ÷ 12 = 1.747,22 € (davon 1.173,42 € Zins und 573,80 € Tilgung)
Vom Hausgeld (350 €) nehmen wir 220 € als umlagefähige Betriebskosten an und 130 € als nicht umlagefähig. Zusammen mit der Grundsteuer (30 €) zahlen also beide Seiten 250 € gleichermaßen.
| Posten | Käufer (€) | Mieter (€) |
|---|---|---|
| Kreditrate / Kaltmiete | 1.747 | 1.110 |
| Hausgeld, nicht umlagefähig | 130 | – |
| Eigene Instandhaltungsrücklage | 75 | – |
| Vergleichbare Monatskosten | 1.952 | 1.110 |
| Betriebskosten und Grundsteuer (beide gleich) | 250 | 250 |
Der Mieter zahlt im ersten Jahr also rund 842 € weniger im Monat. Legt er genau diesen Betrag an, bleibt beiden derselbe Puffer: 5.200 − 2.300 − 1.747 − 455 = 698 € beim Käufer und 5.200 − 2.300 − 1.360 − 842 = 698 € beim Mieter. Damit ist der Vergleich fair: gleiches Budget, gleiche Reserven. Die Wohnkosten des Käufers von 2.202 € entsprechen 42,3 % des Nettoeinkommens.
Schritt 3: Was ist beim Käufer wirklich „weg“?
Im ersten Monat fließen beim Käufer in nicht zurückkommende Kosten:
- Zins: 1.173,42 €
- Nicht umlagefähiges Hausgeld und Rücklage: 205,00 €
- Opportunitätskosten: 102.000 € × 4,5 % ÷ 12 = 382,50 €
- Summe: 1.760,92 € gegenüber 1.110 € Kaltmiete
Dem steht eine angenommene Wertsteigerung von 2 % auf 400.000 € gegenüber, also 666,67 € im Monat. Netto bleiben 1.094,25 € – fast genau die Kaltmiete. Die laufenden Kosten liegen also gleichauf. Den Unterschied machen die einmaligen Kosten: Kaufnebenkosten von 46.280 € plus Verkaufskosten von 17.407 € nach 10 Jahren ergeben 63.687 €, das sind auf 10 Jahre verteilt rund 531 € im Monat.
Schritt 4: Annahmen für den Vermögensvergleich
- Kaltmiete steigt jährlich um 2,5 %, nicht umlagefähige Kosten und Rücklage um 2 %.
- Wohnungswert steigt jährlich um 2 %. Beim Verkauf fallen 3,57 % Maklerkosten an.
- Anschlusszins nach 10 Jahren 5 %, volle Tilgung in den folgenden 20 Jahren (Rate 1.712 €).
- Der Mieter legt 102.000 € sofort und jeden Monat die Kostendifferenz an. Nettorendite nach Kosten und Steuern: 4,5 % im Jahr. Das entspricht grob 5,5 % vor Steuern bei einem Aktienfonds.
Die Berechnung erfolgt Monat für Monat:
Depot(neu) = Depot(alt) × (1,045)^(1/12) + Kostendifferenz des Monats
Vermögen Käufer = Wert × (1 − 0,0357) − Restschuld
Schritt 5: Ergebnis nach 10 und 20 Jahren
| Position | nach 10 Jahren (€) | nach 20 Jahren (€) |
|---|---|---|
| Wohnungswert | 487.598 | 594.379 |
| Verkaufskosten (3,57 %) | −17.407 | −21.219 |
| Restschuld | −259.386 | −161.394 |
| Vermögen Käufer | 210.805 | 411.766 |
| Depot Mieter | 269.393 | 479.423 |
| Differenz Käufer − Mieter | −58.588 | −67.657 |
| Monatliche Vergleichskosten im letzten Jahr: Käufer / Mieter | 1.992 / 1.386 | 2.010 / 1.775 |
In den ersten 10 Jahren zahlt der Käufer rund 124.772 € Zinsen und tilgt rund 84.894 €. Mit diesen Annahmen schließt sich die Lücke selbst nach 30 Jahren nicht ganz: Dann ist die Wohnung abbezahlt, der Mieter liegt aber noch rund 49.400 € vorn. Ab diesem Zeitpunkt zahlt der Eigentümer jedoch keine Rate mehr, während die Miete weiterläuft.
Schritt 6: Drei Szenarien
| Szenario (aus Sicht des Käufers) | Annahmen | nach 10 Jahren: Käufer / Mieter (€) | nach 20 Jahren: Käufer / Mieter (€) | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Günstig | Wert +3 %, Miete +3 %, Rendite 3 %, Anschlusszins 3 % | 259.000 / 235.700 | 554.600 / 325.500 | Käufer vorn ab Jahr 8; nach 20 Jahren +229.100 € |
| Wahrscheinlich | Wert +2 %, Miete +2,5 %, Rendite 4,5 %, Anschlusszins 5 % | 210.800 / 269.400 | 411.800 / 479.400 | Mieter vorn; nach 20 Jahren −67.700 € |
| Ungünstig | Wert +0,5 %, Miete +1,5 %, Rendite 6 %, Anschlusszins 7 % | 146.100 / 311.000 | 253.000 / 705.400 | Mieter klar vorn; nach 20 Jahren −452.400 € |
Beträge auf 100 € gerundet. „Wahrscheinlich“ ist eine Rechenannahme, keine Prognose für Zinsen, Mieten oder Immobilienpreise.
Schritt 7: Ab wann kippt das Ergebnis?
Gegenüber dem wahrscheinlichen Szenario wird der Kauf gleichauf, wenn sich jeweils nur ein einziger Wert ändert:
| Stellschraube | Annahme | Gleichstand nach 10 Jahren | Gleichstand nach 20 Jahren |
|---|---|---|---|
| Wertsteigerung pro Jahr | 2 % | 3,2 % | 2,6 % |
| Vergleichbare Kaltmiete | 1.110 € | 1.461 € (19,48 €/m²) | 1.253 € (16,71 €/m²) |
| Nettorendite des Mieters | 4,5 % | 1,4 % | 3,5 % |
| Kaufpreis (bei gleicher Miete) | 400.000 € | ca. 287.000 € | ca. 346.000 € |
Zwei Sonderfälle ändern das Bild deutlich:
- Der Mieter legt nur die Hälfte der Differenz an: nach 10 Jahren fast Gleichstand (−3.100 €), ab Jahr 11 liegt der Käufer vorn, nach 20 Jahren +49.100 €.
- Der Mieter wohnt günstig im Bestand (9 €/m², also 675 € Kaltmiete): nach 10 Jahren −131.300 €, nach 20 Jahren −273.600 € für den Käufer. Ein günstiger alter Mietvertrag ist finanziell oft mehr wert, als er auf den ersten Blick scheint.
Ergebnis des Beispiels
Bei einem Faktor von 30 hat der Kauf es rein finanziell schwer, falls das Paar den Vorteil des Mietens wirklich konsequent anlegt. Der Kauf wird klar besser, wenn die Wohnung spürbar günstiger ist, die vergleichbare Miete höher liegt oder die Wertentwicklung über den Annahmen bleibt. Das Paar sollte deshalb nicht fragen „Mieten oder kaufen?“, sondern: „Zu welchem Preis kaufen – und würden wir als Mieter wirklich jeden Monat 842 € anlegen?“
⚠️ Risikotabelle
| Risiko | Wahrscheinlichkeit | Schwere | Warnsignal | Vorbeugung | Korrektur |
|---|---|---|---|---|---|
| Falsche Vergleichsmiete | hoch | hoch | Mietspiegel-Durchschnitt statt echter Vergleichswohnung | 3 bis 5 aktuelle Angebote gleicher Lage prüfen | Rechnung mit realer Miete wiederholen |
| Mieter spart die Differenz nicht | hoch | hoch | Kein Dauerauftrag, Konto am Monatsende leer | Sparplan direkt nach Gehaltseingang | Rechnung mit tatsächlicher Sparquote neu aufsetzen |
| Zu optimistische Wertsteigerung | mittel | hoch | Vergangene Preisanstiege werden einfach fortgeschrieben | Auch mit 0 bis 1 % rechnen | Preisobergrenze senken |
| Höherer Anschlusszins | unbekannt | hoch | Hohe Restschuld am Ende der Zinsbindung | Mehr Tilgung, längere Zinsbindung | Forward-Darlehen oder Sondertilgung prüfen |
| Kursverluste beim Depot | mittel | mittel bis hoch | Verkauf in einer Krise nötig | Breite Streuung, Liquiditätsreserve | Sparplan weiterführen, Anlagehorizont prüfen |
| Eigenbedarfskündigung als Mieter | niedrig bis mittel | mittel bis hoch | Eigentümerwechsel, Verkauf der Wohnung | Rücklage für Umzug und höhere Miete | Kündigung rechtlich prüfen lassen |
| Früher Verkauf als Eigentümer | mittel | hoch | Jobwechsel oder Trennung absehbar | Haltedauer realistisch einschätzen | Vermietung prüfen, Steuerfolgen klären |
❌ Häufige Fehler
- Kreditrate mit Warmmiete vergleichen. Rechnen Sie Betriebskosten auf beiden Seiten heraus und vergleichen Sie Gleiches mit Gleichem.
- Tilgung als Kosten zählen. Tilgung ist Vermögensaufbau; echte Kosten sind Zinsen, Verwaltung, Reparaturen und Nebenkosten.
- Opportunitätskosten vergessen. Auch Eigenkapital hat seinen Preis.
- Kaufnebenkosten ausblenden. Sie sind nach dem Kauf nicht mehr im Wohnungswert enthalten und belasten besonders kurze Haltedauern.
- Nur ein Szenario rechnen. Eine einzige Zahl täuscht Sicherheit vor. Rechnen Sie immer mindestens drei.
⚖️ Rechtliche Hinweise
- Mieterhöhung im Bestand: In Berlin darf die Miete bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete innerhalb von drei Jahren um höchstens 15 % steigen (§ 558 Abs. 3 BGB in Verbindung mit der Berliner Kappungsgrenzenverordnung).
- Neuvermietung: In Berlin gilt die Mietpreisbremse bis Ende 2029. Bei Mietbeginn darf die Miete die ortsübliche Vergleichsmiete grundsätzlich höchstens um 10 % übersteigen (§ 556d BGB); Ausnahmen gelten etwa für Neubauten.
- Kündigung: Ein Vermieter braucht ein berechtigtes Interesse, zum Beispiel Eigenbedarf (§ 573 BGB). Lassen Sie eine Kündigung immer prüfen.
- In anderen Bundesländern und Gemeinden gelten teils andere Kappungsgrenzen und Mietpreisbremsen. Prüfen Sie die Regeln vor Ort.
💶 Finanzielle und steuerliche Hinweise
- Beim Mieter: Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, also 26,375 % ohne Kirchensteuer. Bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei (§ 20 InvStG), die Belastung liegt dann bei rund 18,46 %. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € je Person, für das Paar zusammen 2.000 €.
- Beim selbstnutzenden Käufer: Der Verkaufsgewinn bleibt steuerfrei, wenn die Immobilie durchgehend oder im Verkaufsjahr und den beiden Vorjahren selbst bewohnt wurde (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Darlehenszinsen lassen sich bei Eigennutzung in der Regel nicht absetzen.
- Unsere Annahme von 4,5 % netto ist eine vereinfachte Schätzung. Lassen Sie Ihre persönliche Situation steuerlich prüfen.
🛡️ Hinweise zu Versicherungen
Der Käufer braucht zusätzlich eine Wohngebäudeversicherung, meist über die Gemeinschaft im Hausgeld enthalten, und sollte den Kreditbetrag gegen Tod und Berufsunfähigkeit absichern (Tag 45). Der Mieter benötigt in der Regel nur Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung, sollte aber sein Einkommen ebenso absichern, solange sein Sparplan noch nicht groß genug ist.
✅ Checkliste für diese Woche
- ☐ 3 bis 5 aktuelle Mietangebote finden, die Ihrer Wunschwohnung wirklich entsprechen.
- ☐ Kaufpreisfaktor für Ihre Wunschwohnung berechnen.
- ☐ Hausgeld in umlagefähig und nicht umlagefähig aufteilen (Hausgeldabrechnung anfordern).
- ☐ Monatsdifferenz zwischen Kauf und Miete ermitteln.
- ☐ Ehrlich prüfen: Würden Sie diese Differenz als Mieter wirklich jeden Monat anlegen?
- ☐ Drei Szenarien für 10 und 20 Jahre rechnen.
- ☐ Eine persönliche Preisobergrenze festlegen, ab der der Kauf nicht mehr passt.
- ☐ Nicht-finanzielle Gründe aufschreiben und mit einem Euro-Betrag pro Monat bewerten.
❓ Wichtige Fragen
An den Verkäufer oder Makler: Wie hoch sind nicht umlagefähiges Hausgeld und Rücklagenstand? Welche Miete wäre für diese Wohnung heute realistisch?
An die Bank oder den Finanzierungsberater: Welcher Zins gilt bei meiner Beleihung? Wie hoch ist die Restschuld nach 10 und 15 Jahren? Welche Sondertilgung ist möglich?
An den Steuerberater: Wie werden meine Kapitalerträge besteuert? Welche Folgen hat eine spätere Vermietung der Wohnung?
An den Gutachter: Welche Großreparaturen sind in 10 bis 20 Jahren zu erwarten, und was bedeutet das für die Rücklage?
📂 Unterlagen in dieser Phase
| Unterlage | Wozu | Worauf achten |
|---|---|---|
| Aktueller Mietvertrag und letzte Nebenkostenabrechnung | Echte Vergleichsmiete | Staffel- oder Indexmiete vereinbart? |
| 3 bis 5 Vergleichsangebote | Marktmiete der Wunschlage | Größe, Zustand und Ausstattung vergleichbar |
| Hausgeldabrechnung und Wirtschaftsplan | Nicht umlagefähige Kosten | Rücklagenstand und geplante Maßnahmen |
| Unverbindliche Finanzierungsrechnung | Rate und Restschuld | Sollzins, Tilgung, Zinsbindung |
| Depot- und Sparübersicht | Anlagedisziplin und Eigenkapital | Tatsächliche monatliche Sparrate |
👥 Wann Fachleute hinzuziehen?
- Finanzierungsberater: wenn Sie eine konkrete Wohnung und Ihre echten Zahlen vergleichen möchten.
- Steuerberater: bei hohen Kapitalerträgen, späterer Vermietung oder ausländischem Einkommen.
- Honorarberater für Geldanlage: wenn Sie den Mieterweg ernsthaft prüfen und einen Anlageplan brauchen.
- Mieterberatung oder Rechtsanwalt: bei Mieterhöhung oder Eigenbedarfskündigung.
🧾 Fazit für Ihre Entscheidung
Tun Sie: Rechnen Sie Vermögen gegen Vermögen, mit realer Vergleichsmiete, mit drei Szenarien und mit Ihrer tatsächlichen Sparquote. Lassen Sie: den Vergleich von Kreditrate und Warmmiete und das Urteil „Miete ist verlorenes Geld“. Der Grund: Über Vorteil oder Nachteil entscheiden meist Kaufpreisfaktor, Haltedauer und Spardisziplin. Kaufen kann auch dann die richtige Entscheidung sein, wenn die Rechnung knapp ausfällt. Dann aber bewusst und mit bekannter Preisobergrenze.
💬 Häufige Fragen
Ist Miete rausgeschmissenes Geld?
Nicht mehr als Kreditzinsen, Kaufnebenkosten und Verwaltungskosten beim Eigentümer. Beide Wege haben Kosten, die nie zurückkommen. Entscheidend ist, wie hoch sie im Verhältnis sind und was mit der Differenz geschieht.
Ab welchem Kaufpreisfaktor lohnt sich der Kauf?
Eine verbreitete Faustregel sieht unter 22 einen günstigen, von 22 bis 27 einen ausgewogenen und über 27 einen teuren Kauf. In unserem Beispiel lag der Gleichstand nach 20 Jahren bei rund 346.000 €, das entspricht etwa dem Faktor 26. Die Faustregel ersetzt aber keine eigene Rechnung.
Warum ist das Ergebnis für jeden anders?
Weil Vergleichsmiete, Eigenkapital, Zins, Steuersatz, Haltedauer und persönliche Sparquote stark schwanken. Schon eine um 100 € höhere oder niedrigere Miete kann die Rechnung deutlich verschieben.
📝 Fünf Fragen zur Wiederholung
- Wie berechnen Sie den Kaufpreisfaktor, und wie hoch ist er im Beispiel?
- Welche Kosten bleiben im Vergleich auf der Eigentümerseite übrig?
- Was sind Opportunitätskosten, und wie hoch sind sie im Beispiel pro Monat?
- Warum zählt die Tilgung nicht als echte Kosten?
- Ab welchem Jahr liegt der Käufer vorn, wenn der Mieter nur die Hälfte der Differenz anlegt?
⏭️ Morgen, Tag 3: Selbst wohnen, Familienheim, Ferienwohnung oder Kapitalanlage?
Heute haben wir den Kauf mit dem Mieten verglichen. Morgen klären wir, wofür Sie kaufen: Wie der Zweck die Wahl der Immobilie, die Finanzierung und die steuerliche Behandlung verändert – und warum dieselbe Wohnung für den einen passt und für den anderen nicht.
🔑 Gehen Sie den Weg nicht allein
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Quellen (geprüft am 2. November 2026)
- Dr. Klein – Bauzinsrechner (Stand 02.11.2026)
- Senatsverwaltung Berlin – Berliner Mietspiegel 2026
- miet-check.de – Angebotsmieten Berlin 2026 (kein amtlicher Wert)
- Berliner Mietratgeber – zulässige Miethöhe und Mieterhöhungen
- Berlin.de – Mietpreisbremse bis 2029 verlängert
- ImmoScout24 – Faustregel Kaufpreis und Jahresmiete
- Tagesgeldvergleich – Marktanalyse Zinsen (Stand 01.10.2026)
- Finanztip – Sparer-Pauschbetrag
- § 23 EStG · § 20 InvStG · § 573 BGB
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Die Zahlen im Beispiel sind Annahmen; Wertentwicklung, Renditen und Zinsen sind nicht garantiert. Ein verbindliches Angebot gibt es nur nach persönlicher Prüfung.
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