🥇 Zentralbanken kaufen 321 Tonnen Gold – Goldpreis dennoch unter 4.000 Dollar

Die Notenbanken der Welt haben im dritten Quartal 2026 netto 321 Tonnen Gold gekauft – 42 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und so viel wie seit Ende 2024 nicht mehr. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Quartalsbericht des World Gold Council (WGC) hervor. Der Goldpreis liegt trotzdem rund 30 Prozent unter seinem Rekord vom Januar und notiert derzeit unter 4.000 Dollar je Feinunze.
Die Fakten im Überblick
- Zentralbanken: 321 Tonnen im Quartal (+42 %), 675 Tonnen seit Jahresbeginn (+6 %).
- Größte bekannte Käufer: China mit 63 Tonnen und Polen mit rund 41 Tonnen. Russland verkaufte 19 Tonnen. Etwa zwei Drittel der geschätzten Käufe wurden von den Notenbanken nicht direkt gemeldet.
- Gesamtnachfrage: 1.369 Tonnen (−1 %), einschließlich außerbörslichem Handel. Der Wert stieg um 22 % auf 188 Mrd. Dollar.
- Gold-ETFs: Zuflüsse von 211 Tonnen nach Abflüssen im zweiten Quartal; die weltweiten Bestände erreichten mit 4.256 Tonnen einen Höchststand.
- Barren und Münzen: 268 Tonnen (−19 %).
- Schmuck: 313 Tonnen (−17 %), das schwächste dritte Quartal in der WGC-Datenreihe.
- Angebot: Minenförderung 1.071 Tonnen (+3 %, Rekord für ein drittes Quartal), Recycling 314 Tonnen (−8 %).
- Preis: Im Quartalsschnitt 4.262 Dollar je Feinunze – 23 % mehr als im Vorjahr, aber rund 5 % weniger als im zweiten Quartal. Am Dienstagmorgen nannte dpa-AFX 3.947 Dollar, US-Terminkontrakte lagen am Mittag bei 3.911,80 Dollar.
Was gesagt wurde
„Die Zentralbanken blieben eine wichtige Säule der Nachfrage“, sagte WGC-Marktanalystin Louise Street laut Dow Jones. Als Treiber nennt der Verband dort geopolitische Risiken und Sorgen um die Haushaltsdisziplin.
Zu den ETF-Käufen sagte Street laut Mining.com.au (Übersetzung aus dem Englischen): „Die Zuflüsse in Gold-ETFs kamen mit voller Wucht zurück.“ Getragen hätten sie vor allem institutionelle Anleger, während Privatanleger wegen der unklaren Preisrichtung zurückhaltend gewesen seien.
Für die kommenden Wochen legt sie sich nicht fest: „Der Ausblick für Gold wirkt bis zum Jahresende fein ausbalanciert“, so Street in derselben Quelle (Übersetzung aus dem Englischen).
Hintergrund
Gold hatte im Januar mit knapp 5.600 Dollar einen Rekord erreicht. Am 30. Oktober fiel der Spotpreis laut Mining.com.au auf ein Einjahrestief. In den Berichten wird der Rückgang mit dem Ende Februar begonnenen Iran-Krieg, höheren Ölpreisen und einem stärkeren Dollar in Verbindung gebracht. Zugleich liegt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nahe 4,9 Prozent; höhere Zinsen machen das zinslose Gold vergleichsweise weniger attraktiv.
Für das Gesamtjahr erwartet der WGC, dass die Käufe der Zentralbanken mindestens das Niveau von 2025 erreichen. Die Schmucknachfrage dürfte wegen der weiter hohen Preise schwach bleiben. Als Belastung nennt Street steigende Zinsen und uneinheitliche Inflationserwartungen, als Stütze die Suche nach Stabilität bei geopolitischen Risiken und Stress an den Finanzmärkten.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Der Bericht zeigt einen geteilten Markt: Staatliche und institutionelle Käufer griffen zu, Privatkunden hielten sich zurück. Das gilt auch hierzulande. Laut Goldreporter sank die Nachfrage in Deutschland um 20 Prozent auf 7,8 Tonnen, in Europa um 31 Prozent. Der Branchendienst weist allerdings darauf hin, dass die WGC-Daten den Zweithandel mit Barren und Münzen nur unzureichend erfassen.
Einordnung: Hohe Notenbankkäufe sind keine Garantie für steigende Preise, wie das dritte Quartal zeigt. Für Anleger im Euroraum kommt der Wechselkurs hinzu, weil Gold in Dollar gehandelt wird: Ein stärkerer Dollar kann einen Preisrückgang in Euro abmildern. Wer Gold besitzt oder einen Kauf erwägt, sollte zudem Kosten, Lagerung und steuerliche Regeln im Blick behalten – dazu unsere Beiträge Gold lagern im Vergleich und Gold steuerfrei verkaufen.
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Quellen
- World Gold Council: Gold Demand Trends Q3 2026 (03.11.2026)
- dpa-AFX via Investing.com (03.11.2026)
- Dow Jones via finanzen.ch (03.11.2026)
- Goldreporter (03.11.2026)
- investrends.ch (03.11.2026)
- Mining.com.au (03.11.2026)
- Seoul Economic Daily (03.11.2026)
- Angel One (03.11.2026)
- TheStreet (03.11.2026)
- Rio Times (03.11.2026)
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