✈ Lufthansa senkt Gewinnziel erneut: Kerosinrechnung steigt auf 9,3 Mrd. Euro

Die Lufthansa hat am Dienstag, dem 3. November, ihr Gewinnziel für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt. Das bereinigte operative Ergebnis soll nun 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro erreichen, bisher lag die Obergrenze bei 2,2 Milliarden. Grund sind die seit dem Iran-Krieg stark gestiegenen Treibstoffkosten. Das dritte Quartal selbst fiel etwas besser aus als erwartet, die Aktie legte zu.
Die Fakten im Überblick
- Prognose 2026: bereinigtes EBIT von 1,7 bis 2,0 Mrd. Euro statt 1,7 bis 2,2 Mrd. Euro. Die erste Senkung gab es im August.
- Treibstoff: Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit 9,3 Mrd. Euro. Das sind rund 2 Mrd. Euro mehr als 2025 und etwa 600 Mio. Euro mehr als noch Anfang August angenommen.
- Bereinigtes EBIT im dritten Quartal: 1,41 Mrd. Euro, plus 6 %. Analysten hatten im Schnitt rund 1,37 Mrd. Euro erwartet.
- Umsatz: 12,24 Mrd. Euro, plus 9 %. Die Nachrichtenagentur dpa-AFX spricht von einem Rekordwert für den Konzern.
- Nettogewinn: 1,26 Mrd. Euro, plus rund 30 %, teils durch Sondereffekte begünstigt.
- Kerosin im Quartal: Die Kosten stiegen laut Marketscreener und wallstreet:online um 543 Mio. Euro.
- Unterschiedliche Sparten: Die Kernmarke Lufthansa Airlines verdiente laut dpa-AFX ein Drittel weniger (300 Mio. Euro). Die Frachttochter Lufthansa Cargo kam auf 162 Mio. Euro, nach 49 Mio. Euro im Vorjahr, Lufthansa Technik auf 200 Mio. Euro.
- Absicherung: Für 2026 sind laut Finanzvorstand rund 86 % des Treibstoffbedarfs abgesichert, für 2027 mehr als 60 %.
- Kapazität: Das Angebot soll 2026 unverändert nicht wachsen.
- Aktie: Am Vormittag lag sie rund 3 % im Plus bei etwa 7,70 Euro, aber weiterhin etwa 8 % unter dem Jahresbeginn.
Was gesagt wurde
„Mit steigenden Erlösen bei anhaltend hoher Nachfrage und strikter Kostendisziplin“ habe man den Kostenanstieg beim Treibstoff „mehr als ausgleichen“ können, sagte Vorstandschef Carsten Spohr laut RTÉ/Reuters (aus dem Englischen übersetzt).
„Wo wir innerhalb der Bandbreite landen, wird neben Treibstoffkosten und Nachfrage insbesondere von der Ergebnisentwicklung“ bei Lufthansa Cargo im vierten Quartal abhängen, erklärte Finanzvorstand Till Streichert laut dpa-AFX. Er sei „zuversichtlich, im Einklang mit der Kapitalmarkterwartung diese Bandbreite zu erreichen“.
Zur Standortdebatte äußerte sich am selben Tag Bundeskanzler Friedrich Merz bei der IHK Berlin. Er will die Luftverkehrssteuer weiter senken. Auf die Frage nach einer vollständigen Abschaffung sagte er laut Reuters: „Der zweite Teil muss folgen.“ Details nannte er nicht.
Hintergrund
Fluggesellschaften stehen unter Druck, seit die israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf den Iran die Ölpreise nach oben getrieben haben. Laut dpa-AFX haben erste Airlines bereits Gläubigerschutz beantragt. Erst in der Nacht zum Dienstag zog der Ölpreis nach einem US-Angriff auf die iranische Insel Gheschm wieder an.
Die Lufthansa fing die Mehrkosten im Sommer vor allem über höhere Preise auf: Die Durchschnittserlöse im Passagiergeschäft stiegen laut wallstreet:online um 7 %. Stark gefragt waren demnach Premiumtickets sowie Strecken nach Asien und Nordamerika. Zu Jahresbeginn hatte der Konzern noch eine deutliche Steigerung gegenüber den 1,96 Mrd. Euro des Vorjahres angestrebt. Dass die Aktie trotz der gesenkten Prognose stieg, dürfte auch daran liegen, dass Analysten laut dpa-AFX ohnehin nur mit rund 1,7 Mrd. Euro gerechnet hatten, also am unteren Rand der Spanne.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Die folgende Einordnung ist keine Prognose. Für Reisende ist vor allem die Preisseite interessant: Europäische Airlines warnen laut Reuters, dass Tickets im kommenden Jahr teurer werden könnten, wenn Treibstoff-Absicherungen auslaufen. Die Lufthansa selbst ist für 2027 bisher zu mehr als 60 % abgesichert, die Entwicklung des Ölpreises bleibt also ein Risiko.
Gesamtwirtschaftlich zeigt der Fall, wie sich der Energiepreisschock durch die Lieferketten zieht: Unternehmen geben Mehrkosten weiter, solange die Nachfrage es zulässt. Das passt zur Warnung der Bundesbank vor einer vorerst erhöhten Inflation. Inflation und Zinserwartungen wiederum wirken auf Finanzierungskosten und auf die reale Rendite von Erspartem.
Eine weitere Senkung der Luftverkehrssteuer, wie sie Merz ins Spiel bringt, hätte Reuters zufolge Folgen für den Bundeshaushalt. Ob und wann sie kommt, ist offen.
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Quellen
- dpa-AFX via ARIVA, 03.11.2026
- dpa-AFX via onvista, 03.11.2026
- Reuters via onvista, 03.11.2026
- RTÉ/Reuters, 03.11.2026
- Investing.com, 03.11.2026
- Marketscreener, 03.11.2026
- wallstreet:online, 03.11.2026
- Reuters via onvista (Merz), 03.11.2026
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