🛢 Ölpreis bricht um fast 9 % ein: Brent unter 100 Dollar – Hoffnung auf Iran-Einigung

Der Ölpreis ist am Mittwoch deutlich eingebrochen: Die Nordseesorte Brent fiel erstmals seit dem 7. Oktober unter 100 US-Dollar je Barrel und verlor im Tagesverlauf fast 9 Prozent. Händler setzen nach der Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen darauf, dass neue Angriffe auf den Iran unwahrscheinlicher werden. Eine Einigung im Streit um die Straße von Hormus gibt es jedoch nicht.
Unsere Berichte vom Tag: die Reaktion an den Aktienmärkten und die Euroraum-Inflation von 4,0 Prozent.
Die Fakten im Überblick
- Brent: 94,66 Dollar, minus 8,6 Prozent, um 19:06 Uhr deutscher Zeit (OilPrice). dpa-AFX meldete knapp eine Stunde zuvor 94,42 Dollar, minus 8,91 Prozent.
- WTI (US-Sorte): 88,08 Dollar, minus 8,3 Prozent (OilPrice, gleicher Zeitpunkt).
- Vergleich: Am Freitag notierte Brent noch nahe 118 Dollar, der Schlusskurs vom Dienstag lag bei 103,60 Dollar. Ein Schlusskurs für Mittwoch stand bei Redaktionsschluss noch aus.
- Diesel und Heizöl: Die US-Futures auf Diesel und Heizöl gaben um rund 7 Prozent nach.
- US-Lagerdaten (EIA): Die Rohölbestände sanken in der Woche bis 30. Oktober um 0,9 Millionen auf 409,8 Millionen Barrel, die Destillate um 3,6 Millionen Barrel (laut OilPrice). Der Preisdruck überwog diese eigentlich stützenden Daten.
- Tanker: Die iranischen Revolutionsgarden behaupten, vier Tanker seien südlich der Straße von Hormus auf Minen gefahren. Unabhängig bestätigt ist das nicht.
Was gesagt wurde
„Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg“, schrieb US-Vizepräsident JD Vance laut IBTimes in sozialen Medien (aus dem Englischen übersetzt). Und weiter: „Jedes ehrliche Gespräch darüber, wie es von hier aus weitergeht, muss dort beginnen“.
„Wir scheinen alles zu bekommen, was wir wollen“, sagte Präsident Donald Trump der Financial Times laut Handelsblatt. Unmittelbare Angriffe seien nicht geplant, zugleich hält er sich die Option offen: „Wir sind startklar, falls wir losmüssen, aber vielleicht gibt es dafür keinen Grund“ (laut Bloomberg, übersetzt).
„Die Amerikaner haben NEIN ZUM KRIEG gesagt, und wir unterstützen diese Botschaft“, schrieb Irans Parlamentspräsident und Unterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf laut Bloomberg auf X (übersetzt). Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, hatte die US-Antwort auf Teherans Bedingungen am Dienstag laut Al Jazeera als „nicht überzeugend“ bezeichnet.
Hintergrund
Der Krieg begann am 28. Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran, die Störung der Straße von Hormus treibt seither die Energiepreise. Teheran verlangt nach Angaben von The Media Line sieben Zugeständnisse, darunter das Ende der Seeblockade und die Aufhebung der Ölsanktionen, bevor die Meerenge wieder öffnet. Katar und Pakistan vermitteln, die Gespräche kommen laut Bloomberg kaum voran. Ein iranischer Regierungsvertreter sagte laut Reuters, beide Seiten seien weit von einem Abkommen entfernt.
Dass der Markt dennoch so stark reagiert, erklären Analysten vor allem mit dem politischen Druck in den USA. Claudio Galimberti von Rystad Energy sieht die Regierung laut dpa-AFX stärker unter Druck, in der Hormus-Frage eine Einigung zu erzielen. Der neue Kongress tritt allerdings erst am 3. Januar zusammen. Emily Ashford von Standard Chartered warnte, die Wahlniederlage sei keine Garantie für eine Entspannung. Laut Gulf News liegen nach einem Bericht des Wall Street Journal Angriffspläne bereit, eine Entscheidung ist nicht bestätigt. Neil Shearing von Capital Economics hält laut Newsbit bei einem weiteren US-Angriff mehr als 120 Dollar für möglich.
Was das für Wirtschaft, Märkte und Verbraucher in Deutschland bedeutet
Die folgende Einordnung ist redaktionell und stammt nicht aus den genannten Quellen.
Tanken und Heizen: Ein niedrigerer Rohölpreis kommt in der Regel erst mit Verzögerung und nicht in voller Höhe bei Verbrauchern an, weil auch Raffineriemargen, Dollarkurs und Steuern den Endpreis bestimmen. Heizöl kostete laut HeizOel24 am Mittwochmorgen im Schnitt rund 172,81 Euro je 100 Liter bei 3.000 Litern, der Kursrutsch vom Nachmittag war darin noch nicht enthalten. Für die Debatte um den Spritpreisdeckel ändert ein Handelstag wenig.
Inflation und Zinsen: Hält der niedrigere Preis an, würde das den Energieanteil der Teuerung dämpfen und den Druck auf die EZB etwas mindern. Ein einzelner Tag reicht dafür nicht. Auswirkungen auf Bauzinsen und Tagesgeld lassen sich daraus nicht ableiten.
Unternehmen: Energieintensive Betriebe, Logistik und Airlines würden von dauerhaft niedrigeren Kosten profitieren. Solange keine Einigung vorliegt, bleibt der Preis jedoch stark nachrichtengetrieben und kann auch rasch wieder steigen.
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Quellen
- dpa-AFX über onvista, 04.11.2026
- dpa-AFX über MarketScreener, 04.11.2026
- OilPrice, 04.11.2026
- The Private Banker, 04.11.2026
- IBTimes, 04.11.2026
- Bloomberg über gCaptain, 04.11.2026
- Handelsblatt, Newsblog Iran-Krieg, 04.11.2026
- Reuters über Yahoo Finance, 04.11.2026
- Al Jazeera über Dominica Gazette, 04.11.2026
- The Media Line, 04.11.2026
- Gulf News, 04.11.2026
- Newsbit, 04.11.2026
- HeizOel24, 04.11.2026
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